- Globalisierung: Es wird uns alle treffen
"Globalisierung" heißt, dass der gesamte
Globus dem Kapitalerwerb zur Verfügung stehen soll. Reichtum
muss sich wieder lohnen. Ein schönes Sümmchen lohnt
sich nicht, weil es ja ständig weniger wird. Es wird weniger,
weil man ja auch standesgemäß leben möchte und
weil Preise steigen. Wer viel Geld hat, hat im Grunde nichts,
es sei denn, er/sie kann es so anlegen, dass sich das Geld ständig
vermehrt, also für ihn/sie arbeitet, wie das so schön
heißt.
- Und darum geht es bei der Globalisierung. Alles auf der Welt,
womit man Geschäfte machen könnte, soll sich nun auch
dem Geschäftemachen der Geschäftemacher öffnen.
Geschäfte machen? Das geschieht dadurch, dass alles zu einem
großen offenen Handel wird, wo der (wirtschaftlich) stärkste
auch siegen kann. Und beim Handel ist es so: der Gewinn des einen
ist der Verlust des anderen. Klar ist eigentlich schon im voraus,
wer siegt und wer verliert.
Sein Geld so anlegen, dass es sich vermehrt, heißt, sein
Geld unter solchen Bedingungen anlegen, dass die Gewinne zum
Besitzer des angelegten Geldes strömen und nicht etwa dort
hin, wo die Arbeit geleistet wird. Arbeit, das sind einfach Kosten,
die man leider zahlen muss, weil sie sich nicht alleine macht,
die niedrig sein müssen, damit die Gewinne angemessen fließen.
Dazu sind die Unternehmen einfach da. Die Staaten müssen
also dort, wo es noch nicht so ist, derart umgewandelt werden,
dass sie ihre Aufgabe erfüllen: alle Ressourcen zum Geschäftemachen
bereitzustellen.
Milliarden lagern auf hohen Konten, ohne sinnvoll angelegt werden
zu können, weil die Rendite nicht ausreichend hoch wäre.
Alles, mit dem großes Geld gemacht werden kann, ist schon
in diesem Zusammenhang eingespannt. Aber da gibt es noch Ressourcen,
die sich bisher hartnäckig dem Versuch, mit ihnen Geschäfte
zu machen, entzogen: den verschiedenen Bereichen des Sozialen,
der allgemeinen Bildung und der Kultur. Es lohnte sich nicht,
hier Kapital zu investieren, da einfach die Rendite zu niedrig
wäre, weil hier staatliche Förderung die Marktgesetze
verzerren. Die staatliche Förderung geht nämlich im
wesentlichen gar nicht darum, das Geschäftemachen zu erleichtern
oder verbessern, deshalb ist sie für die Rendite falsch.
In folgenden Bereichen muss also umgebaut werden, damit man auch
hier noch Geschäfte machen kann:
1. Soziales: Solche damals (beziehungsweise in manchen Staaten
heute noch) von den Versicherten selbst finanzierten Bereiche,
die Sozialversicherungen zum Beispiel, waren zu der Zeit, als
es die sozialistischen Länder gab, der Beleg dafür,
dass die Marktwirtschaft auch sozial sein kann. Da es die sozialistischen
Länder nun nicht mehr gibt, da sich das, was sich als sozialistische
Länder zeigte, bei genauer Betrachtung auch nicht als die
fortschrittliche Alternative zeigte, ist der Sozialstaat nun
nicht mehr nötig.
2. Eine "allgemeine hohe Bildung", wie sie einmal das
Ziel in vielen Ländern war, ist nicht mehr Ziel unseres
Schulwesens. Man benötigt in der breiten Bevölkerung
nur noch einfache Grundqualifikationen, dann berufsbezogene Ausbildungsstätten
und Eliteschulen, die sich marktwirtschaftlich rechnen könnten.
3. Kultureinrichtungen, die in der Bevölkerung einen gewissen
Standart aufrechterhalten, sind nicht mehr notwendig, weil sich
mit ihnen keine ausreichende Rendite einfahren lassen kann. Es
reicht das Fernsehprogramm für die breite Bevölkerung
und in den neuen Medien lässt sich viel Geld machen.
Die "neue Weltordnung", die Papa Bush nun ankündigte,
nachdem der sogenannte Ostblock in den Schoß der Marktwirtschaft
abstürzte, hat mehrere Einrichtungen, die als neue Ordnungsmächte
eingesetzt wurden: die Weltbank, die Welthandelsorganisation
(WTO) und der Internationale Währungsfond (IWF). Nicht zu
vergessen dann noch die USA-Regierung von Bush Junior und seinem
"Krieg gegen den Terrorismus". Der wurde schon gegen
Serbien, gegen Afghanistan und gegen den Irak geführt.
1. Unsere Sozialversicherungen sind im Moment noch nicht dazu
geeignet, dass man damit Geld verdienen kann. Sie müssen
also umgebaut werden. Gegenwärtig arbeiten bei einer Bevölkerung
von ca. 84 Millionen Einwohnern in der Bundesrepublik 38 Millionen,
große und kleine Unternehmer eingeschlossen. Warum sind
es so wenig, die arbeiten? Das sind Kinder, Alte und eben Arbeitslose
mit ihren Familien. Es ist gegenwärtig also die Arbeitslosigkeit,
die den Mangel in den Kassen ausmacht. Aber 38 Millionen ernähren,
genau genommen, die 84 Millionen. Da die Bevölkerung nur
wenig wächst und mit neuen "Geschäften" gerechnet
werden kann, der "Wirtschaft" es zunehmend besser geht,
wenn man den Wirtschaftsweisen glaubt, wird die Anzahl der Arbeitslosen
eher fallen und daher gruppieren sich einfach die Personengruppen
um, die von der arbeitenden Bevölkerung ernährt werden
müssten, weniger Arbeitslose aber dafür mehr Rentner.
Das wäre also gar nicht das Problem. Das eigentliche Problem
ist der beabsichtigte Umbau.
Wenn die Sozialversicherungen vollständig umgebaut sind,
dann kann man sie privatisieren, in der Versicherungswirtschaft
ist mit Kapitalanlagen dann Geld zu verdienen. Schon jetzt ist
klar, dass die arbeitende Bevölkerung nach allen Regeln
der Kunst geschröpft werden wird. Das ist aber nichts Neues.
Im Grunde war das ja immer so, und nach einigen Irritationen
hat sich das marktwirtschaftliche Prinzip nur weiter ausgebreitet.
Solidaritätsprinzip, wie das schon klingt, bestimmt nicht
nach einer guten Rendite.
Alle Parteien scheinen bei diesem Sozialabbau mit im Boot zu
sein. Es ist wohl so, dass die FDP besonders schnell abbauen
will, CDU schneller als CSU. Grüne schneller als SPD und
die schneller als die PDS. Die PDS aber auch, wie man in Berlin
sehen kann. Nur die Argumentation wird sich unterschiedlich anhören,
die Feindbilder werden sich unterscheiden.
2. Unser öffentliches Schulwesen lässt sich in der
vorliegenden Form nicht privatisieren. Auch das Bildungsniveau
ist rapide gesunken und die Gelder für das öffentlich
Schulwesen werden gerade gekürzt. Wen nutzt es auch, wenn
die Bevölkerung alles durchschauen kann? Bestimmt nicht
den gewinnen. Eliteschulen für die Söhnchen der gehobenen
Schichten werden heutzutage schon privat finanziert. Es gibt
unterschiedliche Schulen für unterschiedliche berufliche
Qualifizierungen, die entweder gerade geschliffen oder privatisiert
werden. Universitäten arbeiten in ihrer Finanznot direkt
mit großen Konzernen zusammen, was dazu führt, dass
sich die Unternehmen eigene Forschungseinrichtungen sparen können.
3. Offensichtlich reicht es unter Jugendlichen zunehmend aus,
sich als Superstar zu bewerben. Deutschland ist kein Leseland
mehr, es sei denn, es geht um die Fähigkeit, eine SMS zu
versenden (und zu lesen). Es ist kaum mehr üblich, ein
Musikinstrument zu spielen, noch weniger üblich, zu malen
oder zu modellieren. Es gibt kein Interesse mehr an Theater oder
an Kabarett. Die Tradition einer kulturellen Bildung rechnet
sich offensichtlich nicht. Öffentlich geförderte Bibliotheken,
Museen und Theater werden geschlossen. Stattdessen gibt es Tanz-
und Musicaltheater, die jahrelang das gleiche Stück spielen,
bis es keine Interessenten mehr gibt. Dann gehen sie gewinnbringend
pleite und die Mitarbeiter müssen sehen, wie sie nun Geld
verdienen können.
Also:
Die Träger sozialer Einrichtungen: Gewerkschaften, Kirchen
und andere, erhalten immer weniger öffentliche Gelder für
die von ihnen geführten Sozialeinrichtungen. Ihnen ist diese
Entwicklung der Privatisierung beziehungsweise Kommerzialisierung
auch nicht recht. Die weltweite Bewegung gegen Sozialabbau und
Globalisierung unter dem Namen attac bildet sich in vielen Staaten.
Kirchenoberen wie GewerkschaftsführerInnen wenden sich gegen
Globalisierung und Sozialabbau und einige auch gegen die Kriege.
Diese Umwandlung der gesamten Gesellschaft betrifft zunehmend
alle Menschen der gesamten Gesellschaft.
Die direkten Opfer des Sozialabbaus: die Krankenversicherten,
die Rentenversicherten, die Arbeitslosenversicherten, die Pflegeversicherten,
die Unfallversicherten, also nahezu wir alle, haben noch überhaupt
nicht verstanden, was mit ihnen geschieht. Der Staat zieht sich
schrittweise aus dem Fürsorgegedanken heraus. Jede(r) muss
eben selbst sehen.
Wogegen wir sind, ist in diesem Beitrag vielleicht deutlich geworden.
Aber wofür sind wir? Dafür, dass alles so weitergeht
wie bisher? Dieser Zug ist längst abgefahren. Vielleicht
ist es an dieser Stelle angebracht, doch einmal darüber nachzudenken,
ob die Marktwirtschaft langfristig wirklich eine so gute Form
ist, das Leben und das Zusammenleben der Menschen zufrieden zu
stellen. (js)
