- 108. Print-Ausgabe, Herbst-LUST 2011
-
- Filme im Herbst
Von Edition Salzgeber (Berlin) wie von Pro Fun (Frankfurt) erhielten
wir die nachfolgenden Filme. Sie sind alle als DVD zu erhalten.
Damit ihr schon mal schnuppern könnt, was Euch dort erwartet,
haben wir hier mal genauer hingeschaut.
-
- L-Shorts - die Vierte
Die besten Kurzfilme aus der L-Filmnacht: FRISCHLUFT-THERAPIE
von Christoph Scheermann, D 2010; HAMMERHAI (Hammerhead) von
Sam Donovan, UK 2009; TOOLS 4 FOOLS von Kate A. Brandt, US 2009;
LADY POCHOIR von Petra Clever, D 2010;
TECHNISCHER
KUNDENDIENST (Tech Support) von Erik Gernand, US 2010; GEBURTSTAG
(Födel-sedag) von Jenifer Malmqvist, SE/PL 2010; YOU MOVE
ME von Gina Hirsch, US 2010, Edition Salzgeber.
In der Frischluft-Therapie braucht es nur einen Stromausfall
und die kurze Abwesenheit des Therapeuten, um ein Paar wieder
zu vereinen.
Wieder vereinen möchte auch der kleine Boris seine geschiedenen
Eltern in Hammerhai. Der renitente Zwerg und Hai-Fan
ist gar nicht begeistert davon, dass Mamis Freundin mit zu einem
gemeinsamen Ausflug ans Meer kommt.
Tools 4 Fools ist eine Com-merical-Parodie um die
Wiederverwertung gebrauchten Sexspielzeugs als schräge Ge-schäftsidee.
Lady Pochoir handelt von Yv, die tagsüber als
Fahrrad-kurierin und nachts als Sprayerin in Köln unterwegs
ist. Eine Verlegerin scheint nicht nur an ihrer Kunst interessiert
zu sein. Und dann ist ihr noch diese nervige Polizistin auf den
Fersen
Eine genervte Computer-Besitzerin ruft beim Technischen
Kundendienst an und findet dort für zwei bis vier
Stunden die große Liebe. Oder vielleicht doch für
länger? Im schwedischen Kurzfilm Geburtstag
wünscht sich ein lesbisches Paar nichts sehnlicher als ein
zweites Kind. Doch über die Zeugungsumstände kommt
es dann zum 40. Geburtstag der einen zur Beziehungskrise.
Und schließlich in You Move Me will frau zusammen
mit bester Freundin ihre Sachen aus der Wohnung der Ex abholen.
Gar nicht so einfach, wie der Film belegt.
Sieben sehenswerte Kurzfilme, meist mit einer ordentlichen Portion
Humor, - eine runde Sache. Eigentlich ist für jeden Geschmack
was dabei.
-
- Späte Entscheidung
La Surprise von Alain Tasma, Frankreich 2007, Darst.:
Mireille Perrier, Rachida Brakni, Robin
Renucci,
Eric Elmosnino, Marilyne Canto. Französisches Original,
deutsche Untertitel. Edition Salzgeber.
Nach über zwanzig Jahren Ehe haben sich Marion und Paul
nicht mehr viel zu sagen. Da ist auch der vergessene Hochzeitstag
kein Aufreger mehr - für die Mittvierzigerin aber der Anlass
einen endgültigen Schnitt zu machen und sich von ihrem Mann
zu trennen. Ehemann Paul und Tochter Justine reagieren verständnislos,
doch Marion lässt sich in ihrem Neuanfang nicht beirren.
Sie nimmt sich eine eigene Wohnung und ist dankbar, als Claude
mit einem Möbelwagen gebrauchter Möbel vor der Tür
steht. Die schöne Antiqui-tätenhändlerin hat von
Marions Lage gehört, sie ist eine Freundin von Marions Schwester
Louise.
Schnell freunden sich die beiden unterschiedlichen Frauen an.
Auch Claude war kurze Zeit verheiratet. Und schnell kommt Frau
sich näher.
Aber alles ist nicht so einfach: Paul will die Trennung nicht
hinnehmen und Tochter Justine fühlt sich vernachlässigt,
beginnt ihre eigenen Wege zu gehen...
Und Marion fühlt sich immer mehr zu Claude hingezogen. Eine
Entscheidung für Marions weiteres Leben steht an.
Frau verlässt Mann, um Frau zu lieben. Das Umfeld reagiert
verständnislos... Nicht gerade ein neues Thema.
Dass das doch so charmant rüberkommt liegt vor allem an
den beiden tollen Hauptdar-stellerinnen. Schöne Produktion
aus Frankreich mit viel Sinn fürs Detail.
-
- Is It Just Me?
von J.C. Calciano, USA 2010, Darst. Nicholas Downs, David Loren,
Adam Huss, Michelle
Laurent. Englische
Originalfassung, deutsche Untertitel. Extras: Audiokommentar
von Regisseur J.C. Calciano und Hauptdarsteller Nicholas Downs,
"Dating Advice", geschnittene Szenen, Darsteller Interviews,
Casting Aufnahmen, Cast und Crew Interviews, Original Trailer.
Pro-Fun Media.
- Blaine hats nicht einfach. Er lebt
zwar in L.A. und schreibt für die L.A. ForGay
als Kolumnist, doch sein Job wackelt. Während scheinbar
alle um ihn rum ständig Sex haben, wartet er auf die große
Liebe.
Im Chatpartnter Xander scheint er endlich seinen Seelenge-fährten
gefunden zu haben. Das schnuckelige Landei ist erst vor kurzem
nach L.A. gezogen und kann der oberflächlichen Szene nichts
abgewinnen. Stundenlang kann Blaine mit ihm telefonieren. Als
jedoch das erste Date feststeht, muss Blaine mit Schrecken feststellen,
dass er mit dem Profil seines Mitbewohners Cameron eingeloggt
war, der immer mal Blaines Rechner für sich okkupiert.
Cameron ist der fleischge-wordene Gegenentwurf zum zurückhaltenden
Blaine. Der extrovertierte Muskelmann arbeitet als GoGo-Tänzer
und lässt auch sonst nichts anbrennen.
Blaine ist verzweifelt und ratlos. Und Cameron mit zum ersten
Date zu nehmen und sich gar auf eine Wette mit ihm einzulassen,
erweist sich nicht gerade als zielführend. Xander hält
Cameron nun erst recht für seinen sensiblen Supermann
Nette warmherzige Bezie-hungsko-mödie mit durchgängig
sympathischen Darstellern. Absolut sehenswert.
-
- Kick Off
von Rikki Beadle-Blair, Großbritannien 2010, Darst. Ian
Sharp, Craig Storrod, Nathan Clough, Stephen Hoo, Ludvig Bonin,
Jason Maza, Jack Shalloo, Jay Brown, Michael Lindall, Jai Rajani,
Sasha Frost, Samantha Lyden, Ryen Quartley, Alexis Gregory, Rikki
Beadle-Blair. Englische
Originalfassung,
deutsche Untertitel. Extras: Musikvideo Adrenaline,
Making of (OF), Crossbar Challenge (OF), Fitnesstraining der
Crew (OF), diverse Originaltrailer & Teaser, deutscher Kinotrailer,
Galerie. Pro-Fun Media.
Irgendwo in London: Gar nicht so einfach, so ein schwules Team
vor einem Spiel zusammenzuschweißen. Schon gar nicht, wenn
man versucht das Thema Homosexualität unter der Decke zu
halten. Archer, Teamkapitän von Platoon FC hat
da so einige Probleme mit seinen Mitspielern. Erst recht als
sein Freund Joey dem Team auch noch pinkfarbene Trikots verpassen
will
Und dann tauchen als Gegner statt der Peckham Pandas ausgerechnet
die gefürchteten Bethnal Reapers auf, gegen die keine Mannschaft
mehr wegen deren unfairen Mittel spielen will. Aber genau dies
ist auch der Grund, warum sich die Rüpel zusammenreißen
müssen
Da gibt es einen Captain für den Fußball tödliches
brutales Höhlenmensch-Zeug zu dem keine schwulen Regungen
gehören, einen Teenager mit übervorsorglichem Pflege-Dad
(Beadle-Blair), ein Pärchen wegen Fremdgehens in der Krise
Auf der anderen Seite ein Torwart, der sich vor der Polizei
verstecken muss, ein metrosexueller Möchtegern-Beck-ham
samt ehrgeiziger Ehefrau, ein aggressiver Mus-kelprotz auf Anabolika,
Probleme mit Ex-Frauen, Kindern, Drogen
. Und da ist außerdem
noch der junge Schiedsrichter, der auch nicht gerade vor Selbstbewusstsein
strotzt. ... Kein Wunder, dass auf dem Platz mehr diskutiert
als gespielt wird.
Sympathischer kleiner Film mit witzigen Dialogen, nettem Soundtrack
und durchgängig gut aufgelegten Spielern, die lustvoll alle
gängigen Klischees bedienen.
-
- Strapped
von Joseph Graham, USA 2010, Darst. Ben Bonenfant, Nick Frangione,
Paul Guerrier, Carlo D'Amore, Raphael Barker, Artem Mishin, Michael
Klinger. Engl. Orginal, dt. Untertitel. Extras:
Making
of - ein Interview mit Ben Bonenfant, "Tomorrow's So Yesterday"
Musikvideo, Original Trailer featuring "It Will All Make
Sense In The Morning" by Halou. Pro-Fun Media.
Er ist jung, groß, gutaussehend, ein dunkler Typ und was
sein Geschäft betrifft, ziemlich erfolgreich: Sex gegen
Geld. Seinen Namen ändert er mit dem Kunden, genauso wie
seine Geschichte, die er erzählt. Es gilt Erwartungen zu
erfüllen. Je besser er es schafft, umso besser läuft
es für ihn. Freundlich und zielstrebig macht er seinen Job.
Mit einem russischen Emigranten ist er in ein verwinkeltes Mietshaus
geraten. Auf dem Rückweg wird er angesprochen, mit einem
alten Bekannten verwechselt, landet auf einer Party. Dort strippt
er gegen Geld. Mit einem Partygast gehts dann zu einem
Blowjob ins Nebenzimmer. Das Haus erweist sich als äußerst
lukrativ, allerdings auch als Labyrinth, aus dem es schwer ist,
einen Ausweg zu finden.
Einem jungen Familienvater fällt er auf und geht mit ihm
in den Keller. Nach Geld und Sex bezieht er plötzlich Prügel,
auch ein Risiko seines Metiers. Ein älterer Schwuler kommt
dazu, verhindert Schlimmeres. Bei ihm unterm Dach wird seine
blutende Nase versorgt. Und hier kommt er sich zum ersten Mal
zu einer tiefergehenden Unterhaltung.
Auf dem Weg nach unten begegnet er einem der Partygäste,
einem hübschen jungen Mann und folgt ihm in dessen Wohnung.
Als der ihm aber dann quasi alles Geld für einen Kuss geben
möchte, reagiert er zutiefst verunsichert. Intimität
ist nicht Teil seines Jobs
Regisseur Grahams Protagonist ist ein Meister der Anpassung,
der es gewohnt ist, die Wünsche anderer zu erfüllen.
Aber letztendlich stellt sich auch für ihn die Frage, was
er will und was ihn ausmacht. Und wie schon der ältere Schwule
sagt:. Ein Labyrinth hat ein Ziel. Am Ende des Films
ist der junge Held, als er sich dem Ausgang nähert, diesem
Ziel ein ganzes Stück näher gekommen. Intelligent gemachter,
unterhaltsamer Film.
-
Cibrâil
Eine Liebe in Berlin von Tor Iben, D 2010, Darst. Sinan
Hancili, Engin Sert, Martina Hesse, Peter Beck. Deutsche Originalfassung.
Edition Salzgeber.
Eigentlich läuft alles perfekt für Cibrâil, einen
jungen Berliner Streifenpolizisten. Er ist
liiert mit einer Galleristin, bewohnt mit ihr eine schöne
Wohnung. Nur in seinem Job lernt er eher die Kehrseite der Gesellschaft
kennen.
Cibrâil ist ein eher schweigsamer Typ und man merkt ihm
an, dass ihn etwas beschäftigt. Er kann nicht schlafen.
Er läuft, trainiert für das Berlin-Marathon und schnell
wird klar, dass er vor etwas davonläuft.
Was dies sein könnte wird klarer, als Marco, der offen schwule
Cousin seiner Freundin zu Besuch kommt. Cibrâil holt ihn
ab und beide sind sich auf Anhieb sympathisch. Marco selber ist
kein Kind von Traurigkeit und macht sich sofort auf, die Stadt
zu erkunden, die einschlägigen Treffs aufzusuchen.
Cibrâil ist von Marco fasziniert und sucht seine Nähe.
Und nachts als seine Freundin schläft, macht er sich auf
Erkundungstour
Dass das nicht ohne Folgen bleiben kann,
ist klar.
Ein einfach schöner Film, mit viel Berliner Lokalkolorit,
gradlinig und lebensnah in Szene gesetzt. Ein Film den man sich
nicht nur einmal ansieht.
-
- Komplizen
(Complices) von Frédéric Mermoud, F 2009, Darst.
Cyril Descours, Gilbert Melki, Emmanuelle
Devos,
Paul Meurisse. Französische Originalfassung, deutsche u.
englische Untertitel. Edition Salzgeber.
In der Rhone bei Lyon wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden.
Vincent war 18 Jahre alt und hat als Stricher gearbeitet. Seine
Freundin Rebecca ist spurlos verschwunden.
Vincent fand seine Kunden über das Internet. In einem Internet-Café
lernt er auch seine Freundin Rebecca kennen. Schnell kommen sich
die beiden näher und auch als Rebecca von Vincents Job hört,
hält die Distanz nicht lange an. Im Gegenteil, Rebecca lässt
sich sogar überreden mitzumachen und so einen neuen Kundenkreis
zu erschließen. Thomas, der Vincent Kunden vermittelt hat,
reagiert eifersüchtig aber Vincent lässt sich nicht
beirren. Um nicht mehr anschaffen zu müssen, erpresst Vincent
schließlich einen Kunden der zur Gewalt neigt
Parallel schildert der Film die Ermittlungen der beiden Polizisten
Hervé Cagan und Karine Mangin. Zuerst suchen die Ermittler
Vincents Familie auf, um dann bei Freunden, Bekannten und Kunden
weiter zu ermitteln. Die Ermittlungen gestalten sich mühselig,
die Motive und möglichen Täter sind mannigfaltig. Auch
die menschliche Seite von Hervè und Karine wird gezeigt
und damit die Gründe für ihr weiteres Handeln. Denn
das Schicksal von Vincent und Rebecca lässt die beiden nicht
unberührt.
Rundum sehenswerter Film, eher Drama als Krimi, und trotzdem
spannend bis zur Auflösung.
Sagat
von Pascal Roche, Jérôme M. Oliveira, Frankreich
2011, Darst. François Sagat, Christophe
Honoré,
Bruce LaBruce, Chi Chi LaRue, Brian Mills, Cyrille Marie, Caroline
Sagat, Serge Hefez, Olivier Nicklaus, Jean-Luc Verna, Chris Ward,
Wilfried Knight, Dean Monroe. Französisch/Englische Originalfassung,
deutsche Untertitel. Extras: mehr als 80 Min. bisher unveröffentlichtes,
exklusives Filmmaterial - exklusive Interviews, private, persönliche
u. lustige SAGAT Videos (My Dolls, La Douche, Les Projections,
L'Interview Stupide, XXX u.v.m.) Pro-Fun Media.
Wow! Was für ein Mann, was für ein Körper.. François
Sagat ist unbestritten ein Sexsymbol.
Natürlich war das nicht immer so, so ein Körper ist
harte Arbeit. Geboren und aufgewachsen ist er in Congnac in Frankreich.
Seine Schwester schildert ihn als eher schmächtigen, sensiblen
Jungen, der gehänselt wurde. Mit 18 ging er nach Paris und
kam dort mit der Pornoindustrie in Berührung. Die Regisseure
Pascal Roche und Jérôme M. Oliveira begleiten den
Pornostar hautnah. Ungewöhnlich locker und offen redet dieser
über seine Arbeit und ermöglicht einige Einblicke in
seine Branche.
Chi Chi LaRue, Bruce LaBruce, Christophe Honoré und andere
Wegbegleiter äußern sich naturgemäß positiv,
aber in erster Linie lassen die Regisseure Sagat selbst zu Wort
kommen. So spricht Sagat auch über persönliche Dinge,
dass er als Junge lieber eine Frau sein wollte, redet über
die Einnahme von Hormonen, seine tätowierte Frisur und die
Reaktion der Menschen darauf oder dass er Barebacking ablehnt.
Und natürlich lassen die Regisseure den Körper von
Sagat für sich selber sprechen.
Die Doku zeigt ihn als einen sympathischen Mann mit Intelligenz
und Humor. Leider ist sie mit knapp 40 Minuten etwas dünn
geraten. Dafür entschädigen dann aber jede Menge Extras.
Hier inszeniert Sagat sich selbst, phantasievoll und sexy.
-
- Dein Kommentar zum Kulturbeitrag:
hier
-