- 81. LUST, Winter 04/05
- Inteview mit Reiner Schilling und Berd
Aretz
-
- Der Umgang mit Bareback
Theorie und das eigenes Leben und die
Politik der Deutschen Aidshilfe
Zum Gespräch hatte Bernd Aretz eingeladen und so trafen
sich am 23. Oktober 04 Rainer Schilling aus dem Bundesvorstand
der Deutschen AIDS-Hilfe, Bernd Aretz und Joachim von
der LUST im Frankfurter Café im Liebighaus am Museumsufer.
Die brennende Frage: die Diskussion um Bareback.
-
- Joachim: Hat
die AIDS-Hilfe eine Strategie, die Bareback praktizierenden Schwulen
wieder zu erreichen?

Rainer: Ich spreche
mit den Zeitungen der schwulen Szene mit dem Anliegen, dass sie
möglichst mit uns gemeinsam die Prävention, du nennst
es Prophylaxe, also die Aids-Prophylaxe gemeinsam mit uns betreiben.
Auf welcher Ebene wir das jetzt diskutieren, kannst du ja nun
sagen. Wir wollen dich dabei unterstützen, dass du uns unterstützt.
Joachim: Neu darüber gestolpert, dass wir das Thema
wieder stärker publizieren sollten, bin ich über den
Artikel, den uns der Bernd zur Verfügung gestellt hat. Ich
finde auch den Denkansatz völlig richtig, nämlich wenn
Leute sich in bestimmten Situationen ihres Lebens den Safer-Sex-Appellen
entziehen, dass man ihnen nicht mit der moralischen Keule kommt,
sondern sie anders anzusprechen versucht. Denn würde man
mit der moralischen Keule kommen, könnte man sie kaum mehr
mit Argumenten erreichen. Gibt es denn schon eine von der AIDS-Hilfe
verfasste Strategie, Menschen wieder zu erreichen, die nach vielen
Jahren Safer Sex sich endlich vollkommen ausleben möchten?
Rainer: Also wie man die Kondommüden wieder erreichen
kann? Verschiedene Strategien! Was wir im Augenblick machen wollen,
ist für die, die kondommüde sind, andere Hinweise zu
geben, wie sie ihr Risiko dennoch senken können. Es gibt
z.B. die Möglichkeit, wenn ich nicht immer ein Kondom verwenden
will, das Risiko zu minimieren, indem man sagt, innerhalb der
Partnerschaft ohne Kondom, außerhalb mit Kondom. Oder indem
sich Leute nach dem Serostatus verhalten: Positive mit Positiven
und Negative mit Negativen. Brauchen die Leute auch kein Kondom.
Gut bei Positiven gibt es einen kleine Einschränkung,
weil man sich dann mit all den anderen sexuell übertragbaren
Krankheiten infizieren kann, die bei einer Immunschwäche
nicht erstrebenswert sind.
Bernd: Negative doch auch.
Rainer: Ja, Serosorting ist sehr unsicher. Was wir verstärkt
machen müssen, ist jene, die sozusagen lange Safer Sex gemacht
haben, zu ermuntern und zu bestärken, das auch beizubehalten,
was in Amerika gang und gäbe ist, ohne zu verkennen, dass
es doch ein schwieriges Durchhalten ist. Also ein ganzes Leben
lang Safer Sex zu machen, ist nicht möglich, da gibt es
immer wieder Einbrüche.
- In manchen Szenen scheint es ja schick zu
sein, ohne Gummi zu arbeiten. Bareback ist dafür der positive
Ausdruck, was man früher in der Szene unsafe genannt hat,
also ungeschützt. Und wenn das Trend wird, bekommen diejenigen
nichts wieder, die sich ihr Leben lang bemühen. Die werden
dann in der Szene sogar belächelt. Das ist es, was mir Kummer
macht. Ich denke, den Kondomgebrauch beim einzelnen zu bestärken
ist sehr schwierig, das kann man nicht mit einfachen Botschaften,
wie z.B. benutze immer ein Kondom. Das Wissen muss
sich in der Handlung durchzusetzen. Wenn z.B. der Provinzler
nach Berlin kommt und er will ein Kondom benutzen, dann sagt
die Berliner Stunze: Bist du nicht von hier? oder
Bist du noch zu retten, das ist nicht mehr angesagt.
Wir haben den einen zu bestärken, doch beim Kondom zu bleiben,
und dem anderen zu sagen, dass er den Wunsch auf körperliche
Unversehrtheit zu respektieren hat. Ich halte es für unerträglich,
wenn die Szene-Leute sagen: Also Kondom ist out.
Die haben den anderen zu respektieren, der das Kondom benützt
und ihn nicht davon abzubringen.
Bernd: Dahinter steckt ja grundsätzlich die Frage,
schlicht zu erkennen, dass im Bereich der Sexualität, egal
um was es geht, ob das nun um Kondome oder Handlungen geht, schlicht
die e
ngere Grenze gilt
und nicht verhandelbar ist. Und dass das zu respektieren ist.
Da liegt das Dilemma. Und dass vorher viel zu wenig Abstimmungen
über die Felder stattfinden, in denen sich beide wohl fühlen
und gehen lassen können. Es langt nicht, zu sagen, ich muss
mich safe verhalten, sondern herauszufinden wo die angstfreien
Felder sind und wenn ich jemand habe, der schlicht und einfach
Angst hat, da nutzt mir auch ein Pariser nichts mehr. Da hilft
mir nur, zu sagen, du gefällst mir, ficken lassen wir völlig
außen vor und beschränken uns auf den ganzen Rest,
den es gibt, um zu sehen, wie gestaltet man das angstfrei.
Joachim: Und dann gibt es natürlich noch die Bläser,
die gerne schlucken wollen.
Rainer: Das scheint zuzunehmen. Da scheint man wenig Ängste
zu haben, seltsamerweise.
Joachim: Weil das nicht Sex ist, anscheinend.
Rainer: Die Clinton-Doktrin scheints.
Joachim: Die Leute behaupten, sie machen Safer Sex, das
bezieht sich aber nur auf den Pariser beim Ficken und nichts
anderes. Da gibt es Leute, die sagen, sie sind treu und wenn
ich dann bei einem anderen nur blase, das zählt ja nicht.
Rainer: Also das ist ja ganz spannend. Das hieße
ja die Heterosexualisierung der Homosexuellen. Denn die Auffassung,
dass nur die Penetration der eigentliche Sex ist und das andere
nicht, das war ja bei Schwulen früher mal ein bisschen anders.
Zum Teil ist daran natürlich die AIDS-Hilfe schuld, muss
man sagen, denn die präventive Zuspitzung aufs Kondom ist
eine Zuspitzung auf den Analverkehr und da gerät das andere
eventuell aus dem Blick. Junge Homos, es gibt ja in den Niederlanden
eine entsprechende Umfrage, finden den Analverkehr als konstituierend
für den schwulen Sex, eine Aussage, die wir natürlich
nie so senden wollten. Aber so kommt es an, wenn es so über
das Kondom in den Mittelpunkt gerät.
Joachim: Es ist offensichtlich so, bei Chat-Kommunikation
im Internet, dass Sex Analverkehr ist.
Rainer: Tja, dann brauchen wir mal wieder den Dannecker mit einer
größeren Umfrage.
Joachim: Das scheint besonders bei Jüngeren so zu
sein, so 20- bis 30-jährigen.
Rainer: Früher haben sie sich dagegen gewehrt, wenn
sie so reduziert wurden, und zwar mit Recht. Ja, das ist bedenklich.
Aber das ist jetzt in unserem Gespräch nur ein Nebenthema.
Joachim: Habe ich dich jetzt ganz aus deinem Konzept gebracht?

Rainer: Nee, nee,
das war schon wichtig. Was wir schon auch verfolgen in unserer
Präventionsarbeit, ist, die labileren Männer, die ein
fragiles Safer-Sex-Verhalten haben, auch zu bestärken. Wenn
es diesen Männern nicht immer so gelingt, ihren Vorsatz
zu Safer Sex umzusetzen, dann müssen wir ihnen sagen, macht
eine andere Strategie, z.B. wenn ich beim Kondom meine Erektion
verliere, dann muss ich auf andere Sexualpraktiken übergehen.
Dann würde ich Penetration sein lassen. Oder wenn ich bei
Sexpartys meine präventiven Vorsätze nicht mehr in
die Tat umsetzen kann, aber dies eigentlich will, dann gehe ich
nicht hin.
Bernd: Man kommt ja immer wieder, wenn man das genauer
betrachtet, auf die Frage zurück, schlicht des Respekts
vor dem anderen. Das ist für mich so der zentrale Punkt.
Rainer: Das sind die technischen Umsetzungen des Respekts
und auch des Selbstrespekts, denn es geht ja nicht nur darum,
den anderen zu respektieren, sondern auch sich selbst zu respektieren.
Da kann man die Techniken anbieten, damit die Risiken geringer
werden.

Bernd: Es bleibt
bei allem immer noch, das es sich so entwickeln kann, wie man
es überhaupt nicht geplant hat. Also ich bin ja ein Anhänger
von ausgesprochenen Spielfeldern wo immer es geht. Und wenn es
hinter der Wohnungstür ist, ist es auch möglich darüber
zu reden. Im Darkroom ist es zweifelhaft, ob mit den einfachen
Strategien es möglich ist, sich so oder anders zu verhalten.
Rainer: Man kann es auch da immer weniger. Früher
sind die Leute im Darkroom davon ausgegangen, der andere könnte
positiv sein. Mittlerweile gehen sie davon aus, der andere dürfte
negativ sein. Auf die schwule Bevölkerung gemünzt,
haben sie vielleicht recht. Vier Prozent Infizierte, da muss
man fast Pech haben, sich zu infizieren. Aber in bestimmten verdichteten
Räumen, da kann man durchaus von einer höheren Trefferquote
ausgehen. Wenn man sich schützen will, kann man nicht darauf
hoffen, dass der andere sagt, ich bin positiv. An bestimmten
Orten zählt der Selbstschutz. Jedem ist einigermaßen
klar, dass sich Infizierte dort aufhalten. Und da muss auch der
Nichtinfizierte wissen, wie er sich zu verhalten hat. Anders
ist es in Beziehungskisten, das ist eine ganz andere Sache.
Joachim: Treueerklärungen des Beziehungspartners
auf der sich ruhen lässt, dass man hier unsafen Sex machen
kann, ist ja auch ein Risiko.
Rainer: Richtig. Aber jeder, der in einer Liebesbeziehung
lebt, sollte davon ausgehen können, dass der andere ihn
nicht schädigen will. Darauf basiert eine Beziehung. Dass
die sich nicht schädigen wollen, davon gehe ich eigentlich
aus. Aber in den Darkrooms, da verflüchtigt sich die Verantwortungsbereitschaft.
Aber auch an solchen Orten, auch bei flüchtigem Sex gibt
es noch das Gefühl von Verantwortung, sich und anderen gegenüber.
Der sich oder andere nicht schützt, hat ein schlechtes Gefühl
danach. Und dieses schlechte Gefühl danach, das bekommt
er nur weg, wenn er sich selbst schützt und wenn er den
anderen schützt, auch an solchen Orten. Es sind die wenigsten,
die da sozusagen unbelastet hervorgehen. Ich will vermitteln,
dass es eine Art von Comunity, von schwuler Familie, gibt. Wenn
nun unser abgrundguter Freund Michael Bochow Recht hat mit seiner
Behauptung, es gebe nicht einmal ansatzweise so etwas wie eine
Comunity, dann kann ich natürlich mit diesem Konzept nicht
landen. Dass aus dem individuellen Respekt für den, den
ich nicht einmal kenne, im Darkroom die Verantwortung übernommen
wird, dürfte selten sein. Wenn ich mich als Teil der Szene
sehe und den anderen ebenfalls als Teil der Szene, ihn auch so
respektiere, dürfte die Verantwortungsbereitschaft größer
sein.
Joachim: Ich bin da eher Pessimist, was das gegenseitige
Verantwortungsgefühl in der Szene betrifft.
Rainer: Na ja, das stimmt so nicht. Die haben das schlechte
Gefühl danach und das ist ja nichts anderes. Also Positive
die unglücklicherweise jemanden infiziert haben, denen geht
es nun wirklich nicht gut. Insofern sind sie ansprechbar. Da
ist es in manchen Teilen der schwulen Comunity besser, als wir
die kommerzielle Szene früher als Schwulenbewegte gesehen
haben. So pessimistisch möchte ich es dann auch nicht sehen.
In solchen flüchtigen Beziehungen wird die Verantwortung
über die Identifikation als schwuler Mann, als Teil einer
Minderheit gebildet. Für die, die nur peripher in den Szenen
drin sind, mag es was anderes sein. Ich habe da schon noch Hoffnung,
und da würde ich dieses Gefühl von gegenseitiger Verantwortung
auch gerne verstärken, dass sie nach der goldenen Regel
handeln, behandele jeden so wie du auch behandelt werden
willst. Wir müssen uns nur trauen. Mir wird vorgeworfen,
ich mache moralische Plakate. Zum Beispiel das Plakat mit dem
Schwanz: Daran hängt ein Mensch gehe gut mit
ihm um. Da sagt mir Dr. Michael Bochow, das sei aus der
Kategorie: Unser Dorf soll schöner werden. Ich
habe nichts gegen schöne Dörfer. Und ich habe nichts
dagegen, wenn ein respektvoller Umgang miteinander gepflegt wird.
Und das muss man natürlich auch ein bisschen lenken.
Joachim: Wer ist dieser Dr. Michael Bochow eigentlich?
Du hast ihn schon drei, vier mal genannt.

Rainer: Ja, ich werde nicht müde, ihn zu ...
Joachim: ...kritisieren?
Rainer: Nein ... Das ist seine zweijährliche Untersuchung,
diesmal mit Michael Wright und anderen gemacht, der immer das
Verhalten der Schwulen analysiert ... und so weiter und so fort.
Und er ist Soziologe und er gehört nicht so richtig zum
innersten Kern der Schwulenszene.
Bernd: Ich möchte noch mal auf etwas anderes zurückkommen.
Diese ganze Verantwortungsdebatte ist schon begrifflich nicht
sauber. So mit geteilter Verantwortung, Verantwortung für
den anderen übernehmen, alles Schrott. Jeder ist für
sein Verhalten immer in vollem Umfang verantwortlich. Verantwortung
für sein eigenes Verhalten ist möglicherweise leichter
auszuhalten, wenn sie mit dem anderen ausgehandelt ist. Aber
man wird davon nichts los. Man kann es auch nicht delegieren.
Die Frage, wie man mit seiner eigenen Verantwortung umgeht, das
ist eine Frage des Gewissens, der eigenen Sozialisation. Ob man
etwas wegdrängt oder nicht wegdrängen kann, ob man
sich mutwillig platt macht, um sich nicht damit rumplagen zu
müssen. Ob man hinterher eine Entschuldigung hat und sagt,
es sei der Suff aber nicht ich. Und das fünf oder zehn oder
zwanzig oder dreißig mal hintereinander. Und das muss man
unseren Mädels vielleicht mal klar machen, dass die dem
nicht entkommen können. Dass sie für ihr Verhalten
einzustehen haben. Mindestens sich selbst gegenüber und
möglicherweise auch anderen gegenüber. Das geht dann
völlig unter, wenn man sagt, dass der Positive mehr Verantwortung
hat. Mehr Zweifel und vielleicht mehr Selbstzweifel, das mag
sein. Aber das hat alles nur mit mir und meinem eigenen Wertesystem
zu tun. Und das einzige, was entlasten kann, ist das Aushandeln.
Rainer: Das Aushandeln ist eine Geschichte, die eigentlich
nur auf gleicher Augenhöhe geht. Ich meine, du kannst es
oft nicht aushandeln, das haben mir Positive bewiesen, dass sie
die Verantwortung für ihren Partner mitübernommen haben,
gerade auch in Partnerschaften. Der andere wollte infiziert werden
und dann hat der Positive gesagt: Nein, bei mir nicht.
Dann ist er nach außen gegangen und hat sich woanders infiziert,
um den gleichen Status zu haben wie der Geliebte. Das ist natürlich
die gleiche Augenhöhe des Wissens und nicht des Könnens.
Und das Wissen, dass der Partner infiziert sein könnte,
ist natürlich in der Schwulenszene vorhanden. In der Heteroszene,
wenn irgendjemand eine Vergangenheit als Drogengebraucher oder
meinetwegen auch als Prostituierter oder Prostituierte hat, oder
beispielsweise auch bei Bisexuellen, wenn die dann ihren festen
Partnern oder Partnerinnen nichts sagen, also das halte ich dann
schon für sehr verantwortungslos.

Bernd: Ich wollte nicht in deren Haut stecken. Ich halte
es auch nicht für vertretbar. Aber das ist auch eine ganz
andere Geschichte. Das hat etwas mit meinem Wertesystem zu tun
und gleicher Augenhöhe. Ich kann dann, lebenspraktisch betrachtet,
entweder Spielfelder abgrenzen oder, wenn nicht diskutiert wird,
augenblickliche DIN-Normen einhalten.
Rainer: Stimmt.
Bernd: Und wenn das mit Einzelnen nicht möglich ist,
wenn ich es also nicht aushandeln kann oder der andere sagt,
ich halte mich nicht dran. Dann kann ich nur sagen: Du gehst
mir am Arsch vorbei. Was soll ich mit solchen Leuten intim machen,
die noch nicht einmal bereit sind, meine Befindlichkeiten zu
respektieren. Wenn es schon um die Bereich beliebig auswechselbarer
Sexualität geht, das trifft für Dunkelräume usw.
allemal zu. Und wenn es nicht der Erste, der Zweite oder der
Dritte ist, und die Messlatte wird mit der Schließungszeit
immer weiter runtergehängt, aber dann soll man sich vielleicht
doch den Luxus leisten und sagen, möglicherweise ist dies
einer dieser Abende, wo man am Schluss nach Hause geht und es
ist vielleicht garnichts gelaufen. Aber verpasst, außer
vielleicht ein bisschen Hautkontakt, hat man nichts. Den Kontakt
der Seele hat man dann nicht, wenn noch nicht mal möglich
ist, zu sagen: Ich habe Angst, bitte berücksichtige das.
Rainer: Naja, aber über so etwas sprechen zu können,
wo man dann eigentlich geschützt werden will, wo man verletzbar
ist.
Bernd: Na gut, aber es wird dabei oft auch nicht gesprochen.
Das läuft ja auch teilweise ganz anders. Da wird ja nicht
gesprochen. Dann drücke ich dem andern den Pariser in die
Hand und der nimmt den nicht. Das ist eine völlig klare
Geschichte, der respektiert das nicht. Da muss ich dem ja keine
langen Vorträge halten.
Rainer: Richtig.
Bernd: Oder ich nehme einen und er sagt: Weg damit, das
will ich nicht. Kommt ja auch vor, alles schon erlebt. Ich deute
das mal so, der ist infiziert. Dann ist klar, dass ich nicht
nur an die reine Vergnügungssucht denke, sondern an meinen
Schutz.
Joachim: Sag mal, ist da was dran, dass jemand,
der infiziert ist und durch Medikamente den brisanten Ausbruch
der Krankheit zurückdrängt, sich durch ständige
Neuinfektionen selber gefährdet?
Rainer: Was heißt neuinfiziert, also mit verschiedenen
Stämmen?
Bernd: Das ist glaube ich eine Scheindiskussion, das liegt
so auf der Ebene, dass man dem absoluten Gesundheitsziel sein
Leben unterwirft, das heißt nicht raucht, nicht säuft,
viel Sport treibt, gesund isst, und und und... Und Leute die
das nicht tun, sondern sagen, für mein Wohlbefinden esse
ich Sahnetorte, tue Zucker in den Kaffee oder sonst etwas. Wenn
die auf einmal anfangen und sagen, hier will ich aber die Sicherheit
und hier noch einmal fünf Minuten Lebenszeit heraushandeln,
da sehe ich so Brüche und Verschiebungen. Wenn man infiziert
ist, dann sind das nicht die existenziellen Entscheidungen. Also
die Frage: Infizierst du dich und bist möglicherweise nicht
infiziert ist eine Einschränkung der Sexualität. Das
kann ich ja durchaus nachvollziehen. Wenn ich sage, das will
ich nicht haben und ich verhalte mich so und ich mache das mein
Leben lang, mit Absprachen in der Beziehung und anders als außerhalb.
Das ist doch eine völlig andere Geschichte, als zu sagen:
ich bin schon infiziert, ich möchte nicht noch diese oder
jene Zusatzerkrankung haben. Das finde ich persönlich unerheblich.
Joachim: Also vor drei, vier Jahren ging das mal durch
die Szene und da haben wohl doch Leute die schon infiziert waren
es für nötig gehalten wieder einen Pariser zu nehmen,
und zwar um sich selbst zu schützen.
Rainer: Jaja, das ist schon richtig. Also wie das mit
den Reinfektionen ist, Superinfektionen können ja nur gleichzeitig
stattfinden, sozusagen als Erstinfektion. Die Superinfektion
ist also für den, der noch nicht infiziert ist, von Bedeutung.
Ob es das gibt oder nicht gibt. Und bei der Reinfektion geht
es darum, um welche Stämme es sich handelt. Es kann auch
noch sein, dass es resistente Viren sind, die man aufnimmt, also
dass bestimmte Medikamente nicht anschlagen. Aber auch da scheint
es so zu sein, dass die resistenten die langsameren sind und
die anderen wieder die Oberhand bekämen. Da hat es mehr
den Anschein, dass hier die Mediziner supervorsichtig sind, um
das Ganze in Schach halten zu können. Ich würde sagen,
Safer Sex ist für Menschen mit HIV in erster Linie wichtig,
um nicht andere Krankheiten zu bekommen. Also wir haben jetzt
eine immense Zunahme von Hepatitis C bei schwulen Männern
mit HIV. Genaue Zahlen haben wir nicht, da schwule Männer
sich selten auf Hepatitis C testen lassen, aber wir wissen es
aus London: Bei Barebackern, bei Fistern usw. sexuelle Praktiken
wo Blut im Spiel ist. Ich kenne Fälle aus München,
Positive mit der Koinfektion Hepatitis C. Und diese beiden Krankheiten
zusammen zu behandeln ist äußerst schwierig. Und da
möchte ich eigentlich nächstes Jahr eine Kampagne machen.
Es gibt Behandlungsmöglichkeiten, dazu muss man sich aber
testen lassen. Hepatitis C ist ein rationaler Grund, warum ich
gegen Barebacking bin. Das wird aber die Barebackbefürworter,
die eine besonderen Kick suchen, nämlich einen Virus zu
bekommen, die erreichen wir damit, d.h. mit rationalen Gründen,
nicht.
Bernd: Ich glaube nicht, dass es darum geht.
Rainer: Diese Gruppe gibt es. Sie ist nicht groß.
Bernd: Das beschreibt aber nicht das Barebackphänomen.
Das Massenphänomen bei Bareback ist: Pariser sind nun mal
störend wenn man nicht gerade Latex- oder Gummifetischist
ist dann ist das keine Bereicherung. Das stört das
triebhafte aufeinander und ineinander herfallen. Das ist einfach
Scheiße. Damit kann man leben, und es ist besser, dass
es die Dinger gibt, als dass es sie nicht gibt, überhaupt
keine Frage. Die Masse liegt so auf der Ebene, sich den sexuellen
Fluss nicht stören zu lassen. Nicht dem anderen zu vermitteln:
also ich habe Angst vor dir oder ich kann dir gefährlich
werden.
Rainer: Eben. Auch bei Bareback-City, also dem Leipziger
Portal: Negative suchen dort Negative. Es ist natürlich
ein Blödsinn, dort zu suchen, denn man weiß nicht,
ob die überhaupt noch negativ sind. Aber die suchen nicht
den Kick durch den Virus. Bareback ist für Positive entlastend.
Entlastend ist, dass es diese Orte gibt, wo sie sich nicht erklären
müssen. Die anderen Sachen müssen sie für sich
abhandeln, welche Risiken sie dennoch eingehen wollen, mit anderen
HIV-Stämmen und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.
Eine Syphilis ist für einen Positiven eine schwere Krankheit,
bedarf einer anderen Behandlungsform, einer wesentlich intensiveren.
Das bedeutet, dass man Positiven nicht so einfach sagen kann,
Barebacking hat eine entlastende Funktion.
Bernd: Aber eins will mir nicht in den Kopf, dass es Leute
gibt, die im schwulen Leben sehr versiert sind und sich nicht
einmal gegen Hepatitis A und B impfen lassen. Ich raff das nicht,
dass viele Leute sich immer noch nicht entscheiden können,
die Dinge zu machen, die mit dreimal Arm oder Arsch hinhalten
geregelt sind. Man kann hier so viel Risiken herunterfahren.
Und das sind existenzielle, da sterben mehr Leute dran als an
Aids. Und das ist überhaupt nicht im schwulen Bewusstsein
verankert, dass das eine dramatische Krankheit ist.
Joachim: Also es sind jetzt hier im Gespräch zwischen
uns auch ein paar Namen gefallen. Natürlich kann das so
nicht veröffentlicht werden.
Rainer: Nein, also muss ich ja auch in Zukunft vorsichtig
sein, wegen der Report Mainz Sendung. Abgesehen davon, ich bin
immer froh, wenn ich die Gelegenheit habe über die Moral
der Deutschen AIDS-Hilfe zu sprechen. Anscheinend wird jetzt
angenommen, wir hätten überhaupt keine, wir wären
die Verteidiger des zügellosen Sex ohne Rücksicht auf
Verluste. Da gibt es Ärzte, die verurteilen Positive, wenn
sie Sex haben und behaupten, dass AIDS-Hilfen verantwortungslos
seien. Wir haben natürlich eine Ethik, aber wir können
sie nicht als Kurzbotschaft auf Plakate schreiben. Auf einigen
Plakaten haben wir dennoch das benannt, was zu einem respektvollen
Umgang miteinander gehört. Nur, wenn wir als alte Tante
Deutsche AIDS-Hilfe heutzutage auftreten und deutlich sagen,
was wir nicht in Ordnung finden, dann befürchte ich, dass
oft genau der gegenteilige Effekt erreicht wird. Statt darüber
nachzudenken, welche Risiken man wirklich eingehen will, nimmt
man das ganze Risiko in Kauf, schon um diesen Leuten von der
AIDS-Hilfe zu zeigen, dass Risikoabwägung etwas für
Weicheier ist. Bareback ist ja nicht umsonst auch als Gegenbewegung
zur AIDS-Hilfe zu verstehen oder, wie Dannecker sagt: um
sich der Diktatur des Kondoms zu entwinden. Ich muss dazu
sagen, die Deutsche AIDS-Hilfe hat eigentlich keine Diktatur
errichten wollen. Wir haben immer als Sachinformation gesagt
Kondome schützen und nicht als Imperative du
musst, du sollst ... usw. In Amerika war das anders. Aber
natürlich haben auch manche diese sachlichen Hinweise auf
das Kondom als ziemlich beengend empfunden, als Norm. Das sind
unbeabsichtigte Nebenwirkungen, gegen die wir arbeiten müssen.
Und um das mal zu relativieren. Wir haben jetzt etwa 2.000 Neuinfektionen
im Jahr. Die Österreicher haben die doppelte Menge relativ
gesehen auf die Bevölkerung, die Schweizer das vierfache.
Also ist bei uns die sogenannte Epidemie eigentlich im Griff.
An anderen Krankheiten, wie der Bernd gerade gesagt hat, sterben
viel mehr. Sie sind mit HIV gar nicht zu vergleichen. Das ist
das eine, wo man relativieren muss. Und dann denke ich mir auch,
dass wir die Wirkung der Broschüren auch relativieren müssen.
Wenn irgendwo in einer Broschüre der AIDS-Hilfe mal was
Falsches drin steht, oder ein bedenkliches Zitat, so ist bei
einer Auflage von höchstens 50.000 Exemplaren die schwule
Szene kaum derart massiv in falsche Richtung zu beeinflussen.
Wir haben immer für strukturelle Prävention als Gemeinschaftsaufgabe
geworben. Nicht die AIDS-Hilfe alleine kann diese Aufgabe stämmen,
sondern nur im Verband mit den Schwulengruppen, den Zeitungen
und der schwulen Infrastruktur gelingt die Prävention. Nach
der letzten Umfrage bei schwulen Männern sank der prozentuelle
Anteil der Männer, die immer ein Kodom benützen von
42 auf 38 Prozent. Vergrößert hat sich die Gruppe
derjenigen, die manchmal oder häufig das Kondom verwenden,
von 48 auf 53 Prozent. Nur bestimmte Menschen benützen das
Kondom nicht oder nur manchmal, und die muss man sich genauer
anschauen, ob man sie vielleicht besser einbinden kann. Ich finde
es hervorragend, wenn die Bundesregierung sagen kann, etwa 70
Prozent der sexuell aktiven Menschen in Deutschland benutzen
überwiegend Kondome. Wir haben seit 1996 stabile Zahlen
bei den Neuinfektionen gehabt, und das trotz der Kombi-Therapie.
Wo ich damals bei der Einführung der Komi-Therapien schon
geschrieben habe, ich erwarte eine rapide Zunahme von Neuinfektionen.
Ich habe mir das gar nicht anders denken können.
Bernd: Unter der erfolgreichen Kombi-Therapie, also wenn
die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, ist das Risiko
jemanden infizieren zu können, deutlich niedriger Das Problem
liegt dabei, dass das Immunsystem trotz erfolgreicher Therapie
erst einmal durcheinander gerät, sind die Therapiepausen,
wo jemand auf ein bestimmtes Verhalten eingependelt ist, möglicherweise
auch seinen Vögelkreis hat, in denen bestimmte Standards
da sind, nur dass sich dann einer aus diesem Kreise verändert.
Rainer: Und vor der Testung. Kurz nach der Infektion sind
sie hoch infektiös. Die Hauptrisiken sind bei denen, die
dann irgendwann schon halbwegs auf dem Totenbett ankommen und
sagen: Kucken sie mal nach, mir ist seit zwanzig Jahren
so merkwürdig.
Joachim: Also habe ich das jetzt richtig verstanden, dass
Leute, die diese Kombi-Therapie machen und Sex haben, dass die
das Virus nicht weitergeben?
Rainer: Nein, nein. Also wenn die Viruslast gegen null
ist, also unterhalb der Nachweisgrenze, dann können wir
davon ausgehen, denn das Virus wird im Blut gemessen, dass die
Virusdichte sehr gering ist, das eine Infektion über Blut
nicht mehr gelingt. Aber, was man einschränkend sagen muss,
diese einzelnen Körperflüssigkeiten sind nicht immer
im Gleichmaß. Normalerweise sagt man, Blut hat die höchste
Dichte, danach kommt Sperma und dann geht das so immer weiter
und die niedrigste Dichte hat die Tränenflüssigkeit,
wo es dann überhaupt nicht mehr die Dichte hat, dass es
zur Infektion langt.
Joachim: Speichel aber auch.
Rainer: Richtig, Speichel auch. Man muss schon recht lange
behandelt sein, dass es im Sperma dann runtergeht gegen null
und den Zeitpunkt weiß man ja nicht. Ich würde keinem
raten, wenn seine Viruslast gegen null ist, dann braucht er kein
Kondom zu benutzen. Aber sie benutzen oft keins, das wissen wir,
weil das unsafe Verhalten gestiegen ist, aber die Neuinfektionen
nicht im gleichen Umfang gestiegen sind. Eine präventive
Handlungsanweisung: Bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze
brauchst du kein Kondom, würde ich nicht formulieren,
denn ein kleiner Schnupfen hebt die Virusdichte. Also, es ist
nicht so zu händeln. Und wie gesagt, die einzelnen Körperflüssigkeiten
und Sekrete sind unterschiedlich. Das muss man dabei wissen.
Wir wissen nur, der Erfolg der Kombi-Therapie ist, dass wir bei
einem unsafen Verhalten weniger Neuinfektionen haben.
Bernd: Obwohl wir wissen, dass bei den Kombi-Therapie-Leuten
das unsafe Verhalten deutlich zugenommen hat. Heute kommt bei
manchen natürlich noch die Auffassung hinzu, ich hab keine
Lust auf Syphilis oder dies oder das, was man früher nicht
mit bedacht hat. Was wir aber von schwuler Presse bräuchten,
wäre so ne Verteidigung gegen diese Anforderung, dass die
AIDS-Hilfe eine moralische Anstalt sein soll oder dass die AIDS-Hilfe
überhaupt irgendeine Möglichkeit hätte, irgendjemandem
vorzuschreiben, wie er sich sexuell zu verhalten hat. Und wogegen
wir ein bisschen Schützenhilfe von draußen bräuchten,
sind so Geschichten wie ... Ich weiß nicht, ob du damals
diese Geschichte von Jaspermöller in der Männer aktuell
gelesen hast, wo er die AIDS-Hilfe wegen irgendeiner Broschüre
angepisst hat oder wie Report Mainz Rainer anpisst, weil er halt
keine moralische Anstalt ist.
Joachim: Also ich hatte bei meiner Zeitungsarbeit die
AIDS-Hilfe immer als Verbündeten gegen allzu große
Moralisierung gesehen. Auch bei dieser Ehe-Debatte, die ja teilweise
sehr moralisch geführt wurde, fand ich die Statements der
AIDS-Hilfe sehr erfrischend, die dann manche Köpfe wieder
klargerückt haben. Aber ich hatte bei einer Veranstaltung,
die einen Tag nach der Veranstaltung von dir war, Bernd, eine
Vortrag gehört, die Homoehe sie die Zivilisierung der Schwulen.
Rainer: Jaja, deshalb wollten wir sie ja nicht. (Gelächter)
Joachim: Aber ich fand es eine unverschämte Arroganz.
Rainer: Naja, es ist ja die Domestizierung der Schwulen.
Und wer sich domestizieren lassen will, den sollen sie doch machen
lassen. Soll doch können wer will. Ich würde nicht
dafür kämpfen.
Die Erfolge liegen doch auf der Hand, wieviel da rein gegangen
sind oder eben nicht. Jetzt haben sie anscheinend zu wenig Privilegien
und gehen nicht rein in die Ehe.
Joachim: Es ist ja keine Ehe. Es ist ja keine Gleichstellung.
Rainer: Sowieso. Nein, aber wo es immer hieß vom
LSVD, die Schwulen wollen zusammen auftreten und der Gesellschaft
dieses Zusammensein auch verbindlich zeigen. Ja, die könnten
sich doch jetzt alle verpartnern, wenn es das wäre. Da kenne
ich wenige.
Bernd: Tja, und der Herr Westerwelle tritt doch schließlich
auch öffentlich auf, ohne verpartnert zu sein, das können
die doch wunderbar. Dazu braucht man sie ja nun auch nicht, um
sich an die Speerspitze der Bewegung zu stellen. (Gelächter)
Rainer: Na, der Regierende in Berlin ist ja auch nicht
verpartnert, der Wowi.
Bernd: Aber jetzt mal ernsthaft, wir brauchen unbedingt
Schützenhilfe, denn das Klima ist einfach rauer.
Joachim: Klar, das gesamte gesellschaftliche Klima wird
rauer und man ist moralischer in den Argumentationen.
Rainer: Nee, was dahinter steht, denn Moral ist ja nur
vorgeschoben. Was dahinter steht ist, dass die Positiven allein
verantwortlich sind für die Weitergabe des Virus. Und die
es sich holen sind unverantwortlich und fallen der Volksgesundheit
zur Last. Durch die Hintertreppe kommt das alte Seuchenrecht
wieder ran, bzw. die Suchstrategie im Gegensatz zur Lernstrategie,
diese einseitige und nicht die geteilte Verantwortung. Ich führe
gerne mit Krankenkassen die Diskussion, wen sich jemand selbstschädigend
verhalten hat, dass er dann für diesen Schaden doch besser
aufkommen muss. Aber dann möchte ich auch diese ganzen Skifahrer
bestraft wissen ...
Bernd: ... Manager mit drei Herzinfarkten ...
Rainer: Dann möchte ich es insgesamt bestraft wissen
und nicht nur, wenn es eine sexuell übertragbare Krankheit
ist. Da docken sie mit Moral an. Also dabei brauchten wir eure
Schützenhilfe. Im Augenblick ist die AIDS-Hilfe dabei, dass
sie sich wieder mal sortiert und kaum den Mut aufbringt, sich
gegen den Mainstream zu wehren. Jedenfalls sehe ich das so ein
bisschen. Einsichtigerweise ist die Krankheit Aids bzw. die HIV-Infektion
keine Volkskrankheit. Und das was wir bei HIV errungen haben,
also Versorgungssysteme, Netzwerke, das sollte auch für
die anderen Krankheiten gelten. Ich möchte nicht weiterhin,
dass wir die Bevorzugten sind, sondern ich möchte, dass
sich das Modell AIDS-Hilfe ausdehnt. Aber wir sind momentan auf
dem Rückzug.
Joachim: Ich glaube, das ist eine Kostenfrage.
Rainer: Ich glaube, das ist keine Kostenfrage. Ich glaube
Selbsthilfe ist billiger als Fremdhilfe. Die Krankenkassen werden
demnächst mehr zahlen müssen. Das Geld, was sie für
Prävention, also hauptsächlich für Sekundärprävention,
als Selbsthilfeförderung ausgeben könnten, das wird
ja gar nicht in voller Höhe ausgegeben, weil es im Augenblick
nicht abgefordert wird. Das was AIDS-Hilfe und andere machen,
das lässt sich vielleicht schwer steuern. Und der Staat
macht eben nicht sein Subsidaritätsprinzip zum Grundlage
des Handelns, sondern sie wollen den Deckel drauf haben.
Bernd: Aber wir müssen aufhören,
wir werden hier schon rausgekehrt.
Joachim: Vielen Dank Rainer und Bernd. Das war ein informatives
und interessantes Gespräch.
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