- 56. LUST, Oktober/November 99
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- LUST- Interview mit Michael vom Trend
in Wiesbaden
- Das TREND feiert Geburtstag. Grund genug, mit Michael
ein ausführliches Gespräch zu führen. Die Fragen
für die LUST stellte Joachim.
LUST: Was für ein Jubiläum feierst Du eigentlich?
Michael: Das sind jetzt sieben Jahre Trend unter meiner
Leitung. Das Trend selbst existiert natürlich schon viele
Jahre länger.
LUST: Was können die Gäste des Trends bei der
Jubiläumsfeier erwarten?
Michael: Wir machen eine Party. Und wir werden, wie auch
schon zum Fünfjährigen, die Getränke zum Festpreis
ausgeben, außer Sekt und Champagner. Wir richten eine kleine
Tanzfläche ein und dann sollen sich die Gäste schon
mal überraschen lassen. Es wird bestimmt ganz witzig werden.
LUST: Wann genau wird das stattfinden?
Michael: Es findet am Freitag, dem 5.11. und Samstag, dem
6.11. statt, ab 20.00 Uhr, bis morgens um 4.00 Uhr.
LUST: Muß man sich anmelden?
Michael: Die Gäste sollen frühzeitig kommen,
denn es ist hier gestoppte voll, wie die Erfahrung zeigt.
LUST: Kannst Du mir sagen, wie man "gestoppte"
schreibt?
Michael: Ich würd es mal mit vier "p" probieren!
LUST: Du führst das Trend seit sieben Jahren, aber
du bist schon länger in der schwulen Wiesbadener Gastronomie-Szene
tätig.
Michael: Seit '86, da habe ich im Wintergarten angefangen.
Das war noch bei Martin und Gina. Zuerst im alten Wintergarten,
der dann abgebrannt ist. Bin mit denen ins Maxim's gezogen. Vom
Maxim's mit Martin und Gina ins Pussy Cats und war da war ich
viereinhalb Jahre Geschäftsführer und nach einer kleinen
Pause von einem dreiviertel Jahr habe ich mit Ruby zusammen das
Courage aufgemacht und parallel dazu das Trend.
LUST: Dann kennst du ja eigentlich alle, die als Gäste
irgendwie in Frage kommen.
Michael: Ja, gell, die Wiesbadener Szene, würde ich sagen,
kenne ich gut, und wenn es nur vom Sehen ist. Meine Stammgäste
kenne ich alle mit Namen und ich selbst bin wahrscheinlich bekannt
wie ein bunter Hund.
LUST: Wenn ich mich erinnern darf: Das Courage war ja
einmal eine Kneipe der linken Szene, das nicht mehr so gut lief.
Das habt ihr übernommen und dann war es voll. Dann bist
du hier runter ins Trend gegangen und dann war das Trend voll
und das Courage wurde immer leerer. Also irgendwie scheinst Du
doch eine gewisse Anziehungskraft auf die Wiesbadener Szene zu
habe.
Michael: Toi, toi, toi, daß es so bleibt, und daß
die Gäste auch weiterhin gerne hierher kommen, zu mir und
meinen Mitarbeitern, zum Rudi und zum Thomas, die auch schon
jahrelang hier mitarbeiten. Der Markus ist jetzt auch schon fast
drei Jahre da. Sowohl das Personal als auch die Stammgäste
bleiben hier über Jahre und das zeigt doch wohl, daß
das Betriebsklima stimmt.
LUST: Das Trend hatte eine Vorgeschichte. Es hieß
ganz früher glaube ich ...
Michael: ... die Falle. Das war bei Dieter Sperlich.
LUST: Da war doch so eine Geschichte mit einer Nase ...
Michael: ... hier lag schon mal 'ne Nasenspitze irgendwo.
Das war vor meiner Zeit. Da hatte sein Exfreund ihm im Streit
die Nasenspitze abgebissen. Ja, diese Räume könnten
viel erzählen.
LUST: Aber ich kann mich nicht erinnern, daß es
hier irgendwelchen Krach gab seit du es führst.
Michael: Ja, so extreme Sachen gibt es jetzt nicht mehr.
Ich versuche auch mit der Hauswirtin klar zu kommen, das ist
leichter geworden. Sie möchte halt ihre Ruhe und wir suchen
dann einen gemeinsamen Weg, um klar zu kommen.
LUST: Es wohnen hier ja auch noch Leute.
Michael: Ja, aber ich habe eigentlich noch nie Ärger
gehabt, auch keine Anzeigen wegen ruhestörendem Lärm.
Ich bin da auch sehr dahinter.
LUST: Ich kann mich erinnern, oben das Pussy Cats hat
ja sogar Schwierigkeiten mit dem Zuschlagen von Autotüren
gehabt. Das kann dir ja nicht passieren, weil dein Lokal in der
Fußgängerzone ist.
Michael: Wenn die Taxis anfahren, dann müssen die
auch den Motor ausschalten, dürfen nicht die Türen
schlagen und nicht hupen. Das steht dann auf ihrem Display drauf.
LUST: Wenn jetzt ein Gast aus einer anderen Stadt kommt.
Wo soll der parken?
Michael: Im Parkhaus in der Coulinstraße, das hat
mittlerweile die ganze Nacht über auf und die Parkgebühren
kosten so um die 5,- bis 6,- DM. Und das ist ja nur ein paar
Schritte von hier entfernt. Du kannst dann dein Auto hier parken,
ohne daß Du einen Strafzettel erhältst oder abgeschleppt
wirst. Das ist schon ganz praktisch.
LUST: Du kannst hier also sicher und unbesorgt parken,
kannst durch die ganze Fußgängerzone laufen, auch
zu den anderen Lokalen und hier natürlich auch ins Trend.
- Dann komme ich doch mal wieder auf dein Lokal und seine Stammgäste
zurück. Die sitzen also hier und würfeln den ganzen
Abend mit dir.
Michael: Also das Würfeln haben wir schon ein bißchen
eingeschränkt. Nein, es kommen viele Leute her, um sich
zu unterhalten.
LUST: Das geht ja ganz gut. Hier sind Tischgruppen, da
können sich die Leute zusammensetzen und unterhalten. Und
an der Bar, da müssen sich die Leute dann mit Dir unterhalten.
Michael: Müssen, wollen, dürfen ... können.
Wenn jemand alleine kommt, dann setzt er sich doch lieber an
den Thresen, um sich mit mir und auch seinen Nachbarn zu unterhalten.
Ich denke mir, wer alleine sein Bier trinken will, der bleibt
zuhause und wer ein bißchen Anschluß sucht oder Bekannte
treffen möchte, der kommt hierher. Und das gelingt, glaube
ich, ganz gut. Da gibt es Stammgäste, die das Trend als
ihr zweites Wohnzimmer ansehen.
LUST: Früher habe ich mal gehört, Wirte müssen
so eine Art Kuppelmutter sein.
Michael: Ja, das stimmt ja auch. Wenn du die Leute kennst
und hinterm Thresen denkst, das könnte so passen, dann sagst
du schon mal: Komm, setzt dich doch mal hier rüber! Das
ist doch eine witzige Aufgabe. Und man freut sich dann, wenn
es so klappt. Ansonsten ist hier auch keine solche Cliquenbildung,
daß du da nicht reinkommst. Man kommt schon ganz easy ...
für hessische Verhältnisse, für Wiesbaden ...
in Kontakt.
LUST: Also ich höre immer, in Wiebaden ist es schwierig
in Kontakt zu kommen.
Michael: Wir reden auch über zwei verschiedene Sorten
von Kontakt. Das Anbaggern, das ist natürlich deshalb in
Wiesbaden schwierig, weil hier fast jeder schon jeden kennt,
in irgendeiner Weise. Und wenn dann jemand Neues dazukommt, dann
hechten dann gleich vier, fünf drauf los und die andern
drei, vier sind dann zickig wenn es nicht klappen sollte. Aber
um erst einmal ins Gespräch zu kommen, findest du doch schon
ganz gut Kontakt, sofern du selbst auch etwas aufgeschlossen
bist.
LUST: Da kann man doch
nur sagen, daß es zum Wohl unserer Szene eben noch Lokale
gibt, in denen der Wirt sozusagen vom Fach ist, sich auskennt,
den Gästen den ein oder anderen Tip gibt. Da gibt es nun
Leute, die behaupten, Schwule hätten mehr Geld.
Michael: Schwule haben vielleicht nicht mehr Geld, aber
sie geben es anders aus. Sie geben vielleicht schon mehr Geld
in den Lokalen aus, weil sie öfter in der eigenen Szene
sein möchten.
LUST: Die Nähe zu Frankfurt. Macht Dir das freitags
und samstags etwas aus?
Michael: Eigentlich weniger. Ich habe ja vom Alter her
gemischte Gäste. Die bleiebn dann auch am Wochenende hier.
Der älteste Stammgast ist 84 Jahred alt, und wenn die 18jährigen
nach Frankfurt oder Mannheim in die Disco fahren, dann kommen
sie vorher oder hinterher auch wieder hier rein.
LUST: dann kann man Dir nur wünschen, daß Du
die nächsten sieben Jahre genauso erfolgreich bist und Du
Deine Lust an dieser Arbeit nicht verlierst.
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