- 55. Lust: August/September 99
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- Bei der LUST waren zu Besuch Katharina
und Brigitte von den Liederlichen Lesben.
- Renate und Joachim von der LUST unterhielten
sich mit ihnen.
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- LUST: Euer
Stil scheint so zu sein, daß ihr Schlagertexte mit lesbischen
Inhalten verseht und damit auftretet. Seid ihr bei diesem Stil
geblieben?
Katharina: Ja, noch verdeutlichter. Ohne daß wir
damals wußten, daß die Schlager wieder so in sind,
haben wir dies so gemacht. Aber nicht nur, z.B. haben wir auch
ein Madrigallied gesungen. Wir haben sehr alte Schlager von Conny
Froboes und Heinz Rühmann auf lesbisches Leben umgetextet.
LUST: Was ist nun bei eurer neuen Produktion anders?
Katharina: Ja, wir haben nun im neuen Programm aus dem
Ganzen eine durchgängige Geschichte gemacht. Dabei haben
wir uns selbst mit einbezogen und nehmen uns selbst ein bißchen
auf die Schippe.
LUST: Also ihr habt die Schlager durch eine Story verbunden.
Katharina: So ist es. Das ist eine Geschichte, da fahren
zwei Urlauberinnen nach Lesbos. Lesbos, das ist ja auch die Insel,
da kommt es ja her und da fahren wir auch oft hin. Und da haben
wir gedacht, das kennen alle Frauen und da machen wir diese Geschichte
draus.
LUST: Und die Geschichte ist dann etwas fetziger?
Brigitte: Etwas brisanter aber auch. Wir singen auch über
das lesbische Liebesleben.
Katharina: Ja, wir wollen unserem Namen die Ehre geben.
Es gibt ja diese Tabuthemen, bei den Schwulen vielleicht weniger,
viele Dinge werden dann nicht benannt. Daß es eine Erotik
gibt, das wissen wir alle und Sexualität, aber das wird
dann oft nicht ausgedrückt.
LUST: Wie seid ihr denn darauf gekommen, euer neues Programm
als "Stück" zu machen?
Katharina: In München ist die Idee entstanden, das
war das letzte "Various Voices". Beim Essen ist uns
eingefallen, daß wir das auch mal so machen können.
Dann sind wir zu sechs Frauen in die Rhön gefahren und an
einem Wochenende haben wir dieses Stück gemacht. Und der
Luzian, das muß man auch einmal sagen, der ist begnadet.
Der hat diese ganzen tollen Arrangements geschrieben. Es ist
ja nicht damit getan, daß man die Texte macht und dann
einfach einen Schlager singt.
LUST: Es ist doch seltsam, daß ihr Lesben euch von
einem Mann dirigieren laßt.
Brigitte: Ja, ich bin ja von Anfang an dabei. Wir haben
halt rumgeschaut. Und dann sind wir auf den Luzian gekommen und
der wollte das erst mal nur für ein Jahr machen und nun
wollen wir ihn nicht mehr los werden.
Katharina: Das macht uns natürlich manchmal auch
Probleme. Neulich beim Frauensingen, da konnten wir dann nicht
hin, weil keine Männer zugelassen sind. Wir haben den Frauen
mitgeteilt, daß sie sich dann eben um schöne Lesbenschlager
selbst bringen. Und wir haben darüber abgestimmt, daß
wir nirgendwo auftreten, wo der Luzian nicht mit hinkann.
LUST: Wieviel Frauen seid ihr denn?
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- Brigitte: (Siehe
Bild oben!)18 liederliche Lesben.
Katharina: Ja, wir sind jetzt ein Verein und wir haben
bei der Gelegenheit darüber gesprochen, ob wir uns vielleicht
einen anderen Namen geben sollen. Aber unser Name ist ja auch
politisch. Wenn wir auftreten, das war neulich im Palmengarten,
wir sind ja auch im Sängerbund jetzt drin, und da war dann
auch der Gesangsverein von Hintertupfingen und da wurden wir
angesagt, jetzt kommen die Liederlichen Lesben, damit alle wissen,
jetzt kommen Lesben.
LUST: Ihr habt mit weniger Frauen angefangen?
Brigitte: Ganz am Anfang waren wir zu fünft. Und
dann sind nach und nach die anderen Frauen dazugekommen. Anfänglich
haben wir nur einstimmig gesunden, dann zweistimmig. Das war
noch nicht der Anspruch, den wir jetzt haben.
LUST: Was könnte die Motivation für eine Lesbe
sein, in einen lesbischen Chor zu gehen?
Brigitte: Bei mir war das so, ich hatte das damals gelesen,
und ich habe immer gern gesungen, auch schon in der Badewanne.
Ich hab' auch Gesangsausbildung gemacht und dann dachte ich,
da gehst du hin, um mich politisch zu engagieren und auch um
zu zeigen, daß es uns gibt.
LUST: Es gehört ja zur Unterdrückung von Lesben,
so zu tun als gebe es sie nicht.
Katharina: Ich habe immer schon gesungen, auch früher
schon im Kirchenchor und dann hatte ich mein Coming-out und dann
bin ich raus aus dem Kirchenchor. Und dann habe ich erfahren,
da gibt es einen Lesbenchor in Frankfurt. Und dann bin ich hingefahren
und wollte die mir mal anschauen und hab mich verhalten, wie
beim Tag der offenen Tür. Aber die waren alle nett und haben
gelacht und da hat es mir dann gefallen.
LUST: Ich möchte noch mal auf Euren Namen zurückkommen.
"Liederlich". Der Name hat also überwiegend einen
musikalischen Bezug. Es gibt aber auch die Beschimpfung "liederliche
Lesbe", empfindet ihr den Namen auch derart, "dazu
stehen wir, so sind wir".
Katharina: Ja!
Brigitte (gleichzeitig): Nein!
(allgemeines Gelächter)
Katharina: (Siehe Bild unten!) Also das neue Programm
hat ja in der Diskussion zwischen uns viel aufgewühlt. Und
da ist es schon so, daß wir sagen, wir stehen als Lesben
auch zu uns selber. Und da spielt ja Erotik und Sexualität
schon eine Rolle, wie es bisher in unseren Arrangements nicht
vorgekommen ist. Und da haben wir schon gesagt, das Wort "liederlich"
in unserem Namen paßt da ja auch mal.
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- Brigitte: Aber
nicht "liederlich" vom Wesen abgeleitet.
Katharina: Da ist auch das Politische in unserem Namen.
Wenn ich an den Palmengarten denke, dort war ein Heteropublikum
und dann wurden wir angesagt: Jetzt kommen die Liederlichen Lesben.
Und wir waren dann die peppigsten im ganzen Laden. Die sollen
doch sehen, daß es uns gibt. Die Heteros haben doch so
ein Schubladendenken, wie sieht eine Lesbe aus, kurze Haare und
so, hat keinen abgekriegt. Und dann stehen wir vor ihnen. Die
Jüngste ist, glaube ich die Elke, die ist 28. Sonst geht
bei uns die Palette doch recht weit. Da sind Frauen, die schon
als Hetera gelebt haben, mich einschließlich. Daher verkörpern
wir eine Sorte Lesben, die sich die Heteros so nicht vorstellen.
LUST: Wollt ihr denn schon von eurem Stück "Liebeskarrussell
auf Lesbos" etwas verraten oder soll es nicht so sein?
Katharina: Also es ist einfach sehr aufregend, es geht
rauf und runter und drüber und drunter. Mehr kann ich dazu
nicht sagen.
Brigitte: Die Begegnung mit einer Hete, die Begegnung
mit allerlei Märchengestalten
- .
LUST: Jetzt habt ihr doch schon ganz schön was verraten.
Katharina: Wir sollten vielleicht noch sagen, daß
wir im Lesbisch-schwulen Kulturhaus üben, denn das ist ein
Projekt, das wir unterstützen wollen.
LUST: Ihr habt ja einen richtigen Fanclub. Wenn ihr auftretet,
dann ist ja eigentlich der Veranstaltungsraum schon voll.
Katharina: Ja, beim Verteilen der Flyer fiel uns auf,
daß uns doch ziemlich viele Leute kennen. Wir sollten vielleicht
noch sagen, daß wir gerne noch Frauen, die gut singen können,
aufnehmen wollen.
LUST: Wenn ihr langfristig arbeiten wollt, benötigt
ihr ja ein gewisses Maß an Verbindlichkeit. Das ist sicherlich
bei einer "Hobbygruppe" etwas problematisch.
Brigitte: Ja, aber das geht. Es hat sich so ein Kern von
Frauen gefunden, die regelmäßig da sind.
Katharina: Wir waren schon mal 28, das schwankt immer.
Aber so zwischen 15 und 18 sind wir bei allen Auftritten. Wir
haben die Aufnahmen in den Chor etwas erschwert nach dem System
drei plus fünf, um die Verbindlichkeit herzustellen. Die
Frauen kommen dreimal um uns kennenzulernen und dann wollen wir
herausfinden, welche Stimmlage sie haben und die Gruppe der Frauen
mit dieser Stimmlage hat das Vorzugsrecht. Es sind auch einmal
zwei Frauen wieder gegangen, weil sie die Texte nicht singen
konnten.
LUST: Die waren ihnen zu frech?
Katharina: Ja, auch dabei hat sich das System drei plus
fünf bewährt.
LUST: Wann kann frau/man denn eure neue Produktion hören
und euch sehen?
Katharina: Der Auftritt findet im Gallus Theater am 19.9.
um 20.00 Uhr statt.
LUST: Und ihr tretet mit Eurer neuen Produktion zum ersten
Mal auf?
Katharina: Ja, das ist eine richtige Premiere!
Brigitte: Wir haben schon Auszüge aus der neuen Produktion
gesungen, im Bürgerhaus Bornheim am 7. März. Und wir
haben eine richtige Choreographie gemacht.
LUST: Ja, ein bißchen habt ihr das auch schon früher
gemacht, z.B. bei "Ein Schiff wird kommen".
Katharina: Ja, da ist jetzt jemand vom Theater und wir
haben eine richtige Choreographie für das Stück eingeübt.
Aber es natürlich nicht so, daß wir da die ganze Zeit
rumhüpfen.
LUST: Dürfen da auch Männer kommen?
Katharina: Ja, Selbstverständlich. Als wir die Flyer
beim CSD ausgeteilt haben, sind wir das auch gefragt worden...
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