45. Lust: Dez.97/Jan. 98
Unser Interview
mit Kick La Luna
Ich befinde mich für die Lust im Frauenmusikbüro in Frankfurt und mir gegenüber sitzt Anne Breick, die Percussionistin von Kick La Luna und deren Managerin Doris Werner von Bimbala Concert.
 
LUST: Ich hab euch auf dem Open-0hr-Festival schon mal gesehen .und fand euch ganz gut, auch euren Auftritt sehr beeindruckend. Wieso seid ihr eigentlich eine Frauen-Rockband?

Anne: Genau das sind wir nicht. Wir sind zwar ne 'Band, aber wir machen keinen Rock.

LUST: Ihr habt eine andere Musikrichtung als Rock?

Anne: Warte mal, ich muß jetzt noch mal zu diesem Frauenband was sagen. Dieses Frauenband-Dings wollen wir uns auch nicht unbedingt immer so vor die Linse schreiben. Weil wir sagen, wir haben uns bewußt als Frauen zusammengetan, aber wir wollen nicht immer nur damit firmieren, weil da einfach ziemlich viele Negativ-Dinge im Raum schwirren. Von wegen Emanzen, die können das ja gar nicht, und das ist auch wieder so eine Amateurband.

LUST: Also, ihr seid eine Profiband und keine Amateurband?

Kick: Ja! Wir haben jetzt drei CDs rausgebracht. Die CDs sind in allen Plattenläden zu bestellen, Vertrieb EVA. Wir haben vor drei Jahren eine eigene Plattenfirma gegründet, und haben die auch unter unserem eigenen Label veröffentlicht. Das heißt Turbulent Records, turbulent, so wie wir sind!

LUST: Und Ihr habt ursprünglich den inhaltlich-politischen Anspruch, etwas bewußt für Frauen zu machen?

Anne:... mit Frauen und für Frauen, das ist dann fast automatisch.

LUST: Und wie seid ihr zusammengekommen?

Anne: Wir haben alle schon in anderen Bands, in gemischten Bands, gespielt, von Salsa bis Funk. Die Elke kommt aus der Rock- und Liedermachertradition. Und wir haben uns zusammengeschlossen, weil wir uns gesagt haben, wir vier, wir finden das, was wir machen so gut, daß wir uns zusammenschließen und unsere eigene Musik daraus machen.

LUST: Aber du hast gleichzeitig dich abgrenzen wollen von "Emanzen"?

Anne: Ja, weil ich finde, das ist ein bißchen altmodisch. Also ich bin 'ne Emanze, war ich schon immer und ich mag nur dieses Wort nicht, weil da immer fürchterlichste Vorurteile mit verbunden sind. Wir sind politisch, indem wir auf Aids-Festen spielen, auf Gay-Festen spielen, auf Frauenfesten liebend gerne spielen, daß ich in meiner Freizeit und allen ehrenamtlichen Hobbys Frauen-Features von vorne bis hinten, und das reicht mir an Politikum und diesen Touch, finde ich, der ist nicht nötig. Weil, wir stehen für uns und da stehen vier gestandene Frauen, die sich nicht einschüchtern lassen und das reicht mir.
LUST: Und der Beruf ist einfach Musikerin?

Anne: Ja, Musik und Marketing. Ich bin noch Dozentin und unterrichte Bands und coache Bands, was Öffentlichkeitsarbeit und Selfmarketing angeht und ich gebe das Frauenmusikjournal "Melodiva" heraus. Also von daher ist es Musik bei mir auf mehreren Ebenen. Aber wir sind sozusagen alle selbst und ständig auf Tour und für Musik unterwegs. Und von daher ist mein und unser Leben voll mit Musik.

LUST: Kann frau davon leben?

Anne: Wir mittlerweile ja. ... (lacht) ... Mehr recht als schlecht, also ich würde sagen, "business is running flow", aber dadurch, daß wir einfach weiter machen, immer mehr. Erfolg haben, wir sind jetzt im Fernsehen demnächst, wir sind ...

LUST: Wann und wo?

Anne: Bei Arabella Kiesbauer und vertreten die Fraktion der starken Frauen und sind mit einem Song dabei.

LUST: Für mich als musikalischen Laien wären die Unterschiede zwischen Ethno usw. und Rock interessant.

Anne: Also Rockmusik, die unterscheidet sich in der Besetzung und dann in der Auswahl der Rhytmik und Griffe. Rockmusik ist meistens mit Keyboard, Schlagzeug, röhrenden E-Gitarren, hämmernden Beats besetzt. Bei uns macht das eine ganz zarte Dame, nämlich unser Drum-Computer. den wir selbst programmiert haben. Sie macht das, was wir wollen und drischt nicht drauf los. Wir haben eine akustisch spanische Gitarre. das ist auch nicht so typisch, und den Flamenco und spanischen Einfluß in der Musik. Der Funk-Bass-Fun kommt aus der ehemals Rhytm & Blues-Soul-Tradition und ist halt nicht so gerade wie Rock. Rock ist halt ziemlich auf'n Punkt. Und Funk liegt immer ein bißchen drum herum, ist hüpfender, ist frecher und das Ganze mischen wir mit afro-brasilianischen perkussiven Elementen, das heißt also Kuba ... Wir spielen eher krumme Grooves, krumme Rhythmen, also nicht vier Viertel, wir spielen sechs Achtel, zehn Achtel, sieben Achtel... also das merkt, sag ich mal, der Laie nicht so, aber die sich mit Musik beschäftigen, wissen, das ist nicht so das sture Rockkonzert. Wir spielen eben Ethno-Funk, eine wilde Mischung aus Afro, Latin, Soul und Funk und das wollen wir auch.

LUST: Also, bei uns in der Gruppe sagte jemand: "Das sind doch die, die so südamerikanische Musik machen", die andere sagt: "Das ist doch eher südafrikanische". Haben beide Recht''

Anne: Ähem, also ich würde sagen, sie haben beide nicht Recht, weil Südafrika machen wir nicht. In der Hauptsache sind die Grooves aus dem Senegal, aus Ghana, eben aus Westafrika... und da gibt es ganz viele Traditionen, deshalb grenze ich das ein bißchen ab. Während die anderen Sachen aus der Karibik, also vorwiegend aus Kuba und Trinidad sind.. und noch so ein paar aus Brasilien. Von daher Südamerika, okay. Aber das ist das einzige....Also wir hängen auch so zwischen allen Schubladen. Also bei Saturn-Hansa wußten sie nicht, wir haben mittlerweile übrigens ein eigenes Fach, wir sind von Jazz über World-Musik und direkt am Tresen liegend gewandert unter Pop. Also mittlerweile haben sie uns unter Pop eingeordnet und direkt hinter Keith Jarrett ... also ich finde, das ist 'ne nette Nachbarschaft.

LUST: Anne, wie seid ihr... nein. Wie sind diese vier Frauen zusammengekommen, die heute Kick La Luna darstellen?

Anne: Wir haben uns auf Workshops kennengelernt, gehört. Und ein Musikerfreund, mit dem ich damals in 'ner Salsaband spielte, der sagte, du, da ist 'ne Bassistin. Und der hat mir auch gleichzeitig von Elke erzählt. Wir haben uns gehört und waren einfach voneinander begeistert. Und so war es auch mit Jutta. Und das Ganze war vor fünf Jahren ... ende 1991.

LUST: Dann hattet Ihr jetzt Jubiläum?

Anne: Ja, im Sinkkasten zu unserer 3. CD "Celebreted" auf die fünf Stücke gepreßt wurden: "wrapped up", ein explosives Funk-Latin-Stück, "gandalami", ein Song aus dem ersten Album, der hier in seiner neuen Version auf dem Weg zwischen Kuba, Karibik und Spanien liegt. "Sweet soul" ist ebenfalls ein Stück aus dem ersten Album, mit Unterstützung der beiden Gastmusikennnen Carola Grey und Uli Kratz. "Unter'm Pflaster" in deutsch von Elke gesungen, ein echtes Abgeh-Stück und "de kap pe RAP" ....

LUST: Du bist so ein bißchen die Promoterin und Organisatorin?

Anne: Nee, das mag jetzt so klingen, weil ich die Einzige bin, die hier verfügbar ist. Aber die Organisatorin sitzt genau neben mir, das ist die Doris.

LUST: Aber die spielt nicht mit.

Anne: Die spielt nicht mit, aber ohne Doris gäb's auch Kick La Luna in dem Sinne nicht, weil ... ich denke ...

Doris:... die spielt hinter den Kulissen.

Anne: Die spielt hinter den Kulissen und hat alle organisatorischen Fäden in der Hand. Und zwar ist sie, die macht die Verträge und die ganzen Kontakte und ist für uns mit auf Tour, macht teilweise das Licht, macht den Merchandising-Stand.

LUST: Was ist das für'n Ding?

Anne: Also, Merchandising nennt man alles, was eine Band hat zum Verkaufen. Also von Feuerzeugen bis T-Shirts und Pantoffel wo das Logo draufklebt ...

LUST: Ach so,ach so!

Anne: Also wir haben jetzt drei CDs, Stickers, drei Plakate und das ist jetzt mittlerwcile so ein kleiner Verkaufstisch geworden. Weil das ist so im Musik-Business, die Gagen werden nicht höher und somit muß man sehr phantasievoll kreieren, um davon auch leben zu können. Das heißt, wir haben halt Artikel entworfen, wir haben übrigens unsere: CD-Cover selbst entworfen, das macht unsere Bassistin, die ist auch Graphikerin und auch Kunstpädagogin, die hat die letzten beiden CD-Cover entworfen. Also wir haben auch das Glück, daß in unserer Band das Know-how vom Marketing bis hin zum Textschreiben vorhanden ist. Elke macht alle Songtexte und auch Jutta kann sehr gut mit Texten umgehen und somit haben wir wirklich absolutes Glück, daß das Know how bei uns zusammenfließt.

LUST: Es gab mal in den USA ein Frauenrnusikfestival, da wart ihr auch dabei. Und ihr tretet jetzt am 6. Dezember in Wiesbaden auf, als Benefiz für die Wiesbadener Aids-Hilfe.

Anne: Übrigens, wir haben jetzt im Dezember zwei Gigs hier in der Nähe. Der andere ist am 19. Dezember in Aschaffenburg und zwar zusammen mit 'ner super, super, supertollen Schlagzeugerin, die mit uns auch die dritte CD eingespielt hat, dic ist als Gast dabei. Ja, und ansonsten fühlen wir uns, mit 'ner eigenen Firma, mit Management, wir werden immer ein bißchen größer. Wir sehen auch zu, daß wir Frauen fördern, die um uns herum arbeiten, d.h. von der Designerin bis hin zur Tontechnikerin. Das ist uns auch wichtig, natürlich Management, klar, oder auch Licht, wenn wir jemand brauchen. Ja, und das geht so ganz gut. Von Michigan, also das war unsere Auslandstournee, die größte natürlich, in den USA und vorher waren wir in Kanada. Ja, und wir haben jetzt vor, wir spielen in Luxemburg jetzt das erste Mal im November und dann im nächsten Jahr hoffentlich auch mal ein bißchen weiter ...Japan ist so ein Traum (lacht), wie noch so Vieles. Kontakte bekommt Ihr mit Kick La Luna über Doris Werner, Florstädter Straße 22, 60385 Frankfurt, Tel. u. Fax: 069/4960800