- 42. Lust: Juni/Juli 97
- LUST-Interview mit dem Theater unterm
Regenbogen
- Von der bevorstehenden Premiere der Theatergruppe
,,Theater unterm Regenbogen" erfuhren wir im Buchladen Oscar
Wilde. Also riefen wir Astrid an und vereinbarten einen Interviewtermin.
Wir Renate und Joachim von der LUST. Wir fuhren zum Lesbisch-Schwulen
Kulturhaus und dort saß dann die Theatergruppe und wir
begannen mit unserem Interview. Interview? Eigentlich war es
ein nettes Gespräch, und so können wir gar nicht den
üblichen Interviewstil einhalten. Die fett gedruckten Sätze
kommen von der LUST, die anderen von unterschiedlichen Frauen
der Theater Gruppe.
-
- Also, wer seid ihr?
Also, wir sind die Theatergruppe ,,Theater unterm Regenbogen"
im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus. Wir beabsichtigen eine lesbisch-schwule
Theatergruppe zu werden. Vor anderthalb Jahren habe ich sie ins
Leben gerufen und das ging auf meine Initiative hin.
Wer bist Du eigentllch?
· Ich bin Astrid Suding und mache die Regie. Ich habe
vorher schon an der Uni am Englisch-lnstitut bei drei Stücken
in der Theatergruppe Regie gemacht und ich meine, es ist langsam
an der Zeit, eine Theatergruppe zu gründen, weil es ja Lesthrafam,
die lesbische Theatergruppe, die es hier in Frankfurt gab, nicht
mehr gibt. Nach ungefähr einem halben Jahr kamen dann endlich
auch die Frauen.
-
- Und wir haben dann lesbische Einakter einstudiert,
insgesamt vier, und damit sind wir letztes Jahr zum ersten Mal
aufgetreten. Am 14. September haben wir dann im Frauenkulturhaus
alle vier Einakter noch einmal gezeigt und seit Anfang des Jahres
üben wir nun das 1 1/2 Stunden lange Stück ,,Letzten
Sommer in der Bluefish-Bucht" von Jane Chambers, das ich
selber aus dem Amerikanischen übersetzt habe. Das Stück,
es ist von 1980, habe ich zufällig in einer Anthologie gefunden.
Ich übersetze amerikanische Stücke, weil es leider
im deutschen Sprachraum sehr wenig schwule und noch weniger lesbische
Theaterstücke gibt. Im Herbst habe ich geplant, dann ein
schwules Theaterstück zu inszenieren. Letzten Samstag ist
auch schon ein schwuler Einakter zur Auftührung gekommen.
Du arbeitest auch mit einer Schwulengruppe zusammen?
· Die sind Teil unserer Gruppe. Ich hab im Moment nur
zwei Jungs da, für das schwule Stück brauche ich dann
drei Männer und eine Frau. Ich hoffe, daß noch einige
Männer dazukommen, wobei wir im Moment das Problem haben,
daß das ,,Theater unterm Regenbogen" als lesbische
Theatergruppe angesehen werden könnte.
Betrachtet ihr euch als Laientheater? Wenn du schon offiziell
Regieassistentin warst, dann hört sich das doch professionell
an.
· Nur leider habe ich bisher damit noch kein Geld verdient.
Also, es ist schon eine Laiengruppe. Irgendwann würde ich
gerne mal professionell Regie führen, aber ...
· Aber nicht mit uns, gell Astrid! (Gelächter)
· Ihr würdet dann ins professionelle Lager überwechseln.
- Einige von uns hatten noch keine Erfahrung, andere kommen von
Lesthrafam, eine Theatergruppe, die es neun Jahre lang gegeben
hat.
Wir haben ja früher in der Rosa Lüste auch Theater
gemacht, deshalb Interessiert uns ganz besonders: Warum geht
jemand jemand in einc Laientheatergruppe?
-
- · Also ich würde gern den Erfolg
wiederholen, den ich als Achtjährige hatte. (Gelächter)
Eine Haupt
rolle. Und dann hab ich eben, um überhaupt spielen zu können,
die letzte Rolle genommen, die im Stück noch frei war. Nein
die vorletzte. (Alle durcheinander) Die vorletzte, aber hallo.
· Du warst doch die optimale Besetzung. Also macht das
doch keinen Unterschied, ob du zuerst oder später dazugekommen
bist.
· Das verlangt dir sehr viel ab.
· Ich habe neun Jahre bei Lesthrafam gespielt und hatte
dann 1 1/2 Jahre Pause und das Theaterspielen hat mir unheimlich
gefehlt. Und ich hab gemerkt, in den ersten Jahren war für
mich Theaterspielen Therapie. Also auf der Bühne die ekligste
widerwärtigste Frau zu sein, die überhaupt auf dem
ganzen Erdball rumläuft, also das war so toll, weil ich
immer so lieb, so nett und so angepaßt war also bwäh.
Dann habe ich auf der Bühne angefangen, die Sau rauszulassen
und das ist mir dann im Leben auch etwas besser gelungen.
· Ja, ich hab vorher schon im Englisch-lnstitut mit der
Astrid gespielt und als sie mir dann erzählte, daß
sie eine lesbische Theatergruppe aufmachen will, dann hatte ich
schon Lust, auch in der lesbischen
- Theatergruppe mitzuspielen, in der englischen
Theatergruppe bin ich jetzt nicht mehr.
Weil Englisch schwieriger ist als lesbisch? (Gelächter)
· Das weniger, aber ich kann schon Englisch.
· Es macht total Spaß, auf der Bühne zu stehen,
in eine andere Rolle hineinzuschlüpfen und jemand anderes
zu sein, einfach.
· Dazu wäre zu sagen, ich habe Anette mehr oder weniger
vom Chor der Liederlichen Lesben wegorientiert, sozusagen. Weil
ich unbedingt noch Frauen brauchte für die Einakter. Und
da habe ich einfach mal rumgefragt, welche denn überhaupt
Lust hätte, zu spielen.
Und Jetzt singst du nicht mehr?
· Doch.
Im Stück? (Gelächter)
· Aber das könnten wir einbauen.
· Also ich habe im Abendgymnasium auch in einer englischen
Theatergruppe mitgespielt, eigentlich, um Englisch zu sprechen.
Und dann hab ich gemerkt, daß mir das riesig Spaß
macht, wenn alle mir zuhören. Und dann war das nicht mehr
und dann habe ich vom ,,Theater unterm Regenbogen" gehört
und das Stück habe ich mir angesehen. So kam ich dann in
die Gruppe. Und dann kamen doch immer mehr Frauen dazu und wir
haben schnell was auf die Beine gekriegt.
..Obwohl ihr euch zuerst mit Händen und Füßen
dagegengewehrt habt.
Und ihr habt Angst vor der Premiere? Sagte mir die Astrid am
Telefon
- .
· Ja!
· Das wird sicher eine Katastrophe!
· (Alle durcheinander) Ouatsch! Äah! Das wird absolutsuper
Wir haben immer bei den letzten Proben elles vergessen und dachten,
oh Gott, wenn das nur gutgeht! Bei der Aufführung hat es
dann aber geklappt. Da haben sich alle so extrem Mühe gegeben,
das hat dann vielleicht etwas steif gewirkt.
· Ich denke auch, Angst ist das falsche Wort. Das ist
wirklich Lampenfieber und Nervosität.Und ich denke, Lampenfieber
ist einfach nötig, um in die Spannung reinzukommen, die
das Spielen überhaupt erst ermöglicht. Ohne Lampenfieber
kann ich es mir nicht vorstellen. Das gehört dazu.
· Kann sein, daß ich in Panik überlege, wir
haben noch zehn oder elf Proben und ich kann den Text immer noch
nicht. Wie soll ich das denn schaffen?
· Das ist dann aber die Motivation, sich mehr Mühe
zu geben, sich mehr anzustrengen. Es gibt ja die Theaterregel,
daß die Generalprobe schiefgehen muß, damit sich
alle mehr anstrengen. Wenn sie gut Iäuft, dann fühlen
sich die Leute sicher und strengen sich nicht mehr an und dann
geht das Stück natürlich in die Hose.
· Das ist doch klar, wenn wir Premiere im September oder
Oktober hätten, dann wird keine sich mehr hinsetzen und
den Text lernen.
· Logisch. Ein bißchen Druck, also ich brauche ihn.
Möchte noch jemand etwas über sich sagen?
· Also, ich habe bei den Einaktern mitgespielt und ich
bin zur Gruppe gekommen, weil ich vorher im Frauenkulturhaus
in einer Frauen-Theatergruppe mitgespielt habe. Eine Frau, die
eben auch dort war, war auch in der Gruppe,,Theater unterm Regenbogen"
und die hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Und ich
wollte das mir eigentlich nur mal anschauen. Aber da bekam ich
gleich eine Rolle, die ich lesen sollte und wurde gefragt, ob
ich beim nächsten Mal zur Probe kommen wolle. Das Üben
mit den Einaktern hat mir Spaß gemacht, das war ganz anders
als ich es vom Frauenkulturhaus gewohnt war. Und das nächste
Stück verspricht unheimlich spannend zu werden, weil es
ein langes Stück ist ...
· Das hat nichts zu sagen. (Gelächter) Es gibt lange
und doch langweilige Stücke.
· Aber unser Stück wird bestimmt spannend.
· Das finde ich auch, das wird sehr schon.
· Es ist das erste Mal, daß wir zu so vielen zusammen
spielen und das ist etwas ganz anderes, wie wenn man nur zu dritt
zusammen spielt. Dann weiß man schon, wann man dran ist.
Es hat sich bei uns bei langen Stücken als Problem herausgestellt,
daß dadurch, daß jemand ausgestiegen ist, das ganze
Stück gekippt wurde, denn man findet dann nicht mehr so
einfach passenden Ersatz.
· Das hat mit dem Zustand der Gruppe zu tun.
· Das hatten wir eigentlich, außer bei dem einen
Einakter, noch nicht. Jetzt ist die Gruppe aber doch ziemlich
zusammen.
· Also, ich bin durch die eine Freundin in die Gruppe
gekommen und wir waren im Frauenkulturhaus in der anderen Gruppe.
· (Gelächter) Das waren die zwei letzten Rollen.
· Nein, das waren die zwei Rollen, die noch zu besetzen
waren.
· Und ich mache das total gern, Theater spielen.
Gut, wir kennen jetrt ungefähr eure Motivation und besonders
das von dir, ist uns sehr bekannt. Nämlich, daß man
irgendwohin kommt und gleich gekrallt wird. (Gelächter)
· Wie soll man denn sonst zu einer Theatergruppe kommen.
Als Motivation zum Mitspielen, kann man also die Lust am Spielen
ansehen und auch, sich selbst aufzuarbeiten. Nun müßten
wir unseren Leserlnnen noch erklären, um was für ein
Stück es sich handelt.
· In dem Stück,,Letzten Sommer in der Bluefish-Bucht"
geht es um sieben Lesben, die jeden Sommer ihren Urlaub dort
zusammen verbringen und in diesem Sommer ist eine von ihnen krank.
Weil sie nicht wissen, ob sie überleben wird, wollen sie
ihr das Leben besonders schön machen. Zufällig kommt
noch eine heterosexuelle Frau hinzu, die gerade ihren Mann verlassen
hat und nicht weiß, daß es Lesben sind. Eine von
ihnen ist feministische Schriftstellerin für verheiratete
Frauen und will nicht, daß ihr Lesbischsein bekannt wird.
ihre Sekretärin ist gleichzeitig auch ihre Freundin.
· Naja, im Grund genommen geht es darum, daß sich
diese todkranke Frau noch einmal in diese heterosexuelle Frau
verliebt.
Und du spielst die todkranke Frau?
· Nein. Ich würde dabei Depressionen kriegen. (lacht)
· Es ist nicht nur eine Tragödie, sondern eigentlich
eine Tragik-Kommödie mit einer tiefen Betrachtung unterschiedlicher
Lesbentypen, z.B. die Einzelgängerin, die reiche Lesbe,
das langjähnge Lesbenpaar...
Im Grunde genommen wohl wie bei euch auch, daß sich unterschiedliche
Lesben zusammenfinden und gemeinsam etwas machen.
· Wie das so ist im Leben.