40. Lust: Febr./März 97
LUST-Interview mit Dame Edna
Gerade mal Zeit für ein schnelles Foto hatte Dame Edna vor ihrem Gastspiel ,,Dame Edna über Deutschland" im Düsseldorfer Schauspielhaus am 5. und 6. Oktober 96. Weil's auch für ein Interview nicht reichte, haben wir hier das Frage- und Antwortgeschehen der Pressekonferenz zusammengefaßt.
 
Dirk: Wir dachten, sie kämen mit dem Helikopter, weil die Show ,,Dame Edna ÜBER Deutschland" heißt. Dabei hatte nur der Zug aus Hamburg Verspätung. Wie fühlen Sie sich?

Dame Edna: Ich bin sehr glücklich in Düsseldorf zu sein, weil es DAS europäische Modezentrum ist. Wie sie wissen, habe ich selbst der Modewelt oft als Inspiration gedient. Und mein Sohn Kenny ist Modedesigner.

Dirk: Wie war die Show in Hamburg?

D.E.: Ein Triumph! Das Publikum war begeistert. Ich glaube, die Leute haben nur auf mich gewartet. Dieses Land hat scheinbar im Dornröschenschlaf gelegen, bis ich gekommen bin und es mit meiner Magie wachgeküßt habe.

Dirk: Wo leben Sie eigentlich?

D.E.: Ich lebe in einer australischen Stadt namens Moonee Ponds. Das ist ein Aborigines-Wort und heißt auf deutsch ,,Moonee Ponds". Ein entzückender Ort und auch ein Modezentrum - weil ich da lebe. Man hat übrigens soeben eine Städtepartnerschaft mit Düsseldorf beschlossen. Diese Information gebe ich ihnen WELTEXKLUSIV - noch nicht einmal der Oberbürgermeister hier weiß etwas davon. Er wird es aus DIESER Zeitung erfahren!

Dirk: Also kommen Sie in offizieller Mission?

D.E.: Ich bin eine Art Botschafterin Australiens. Die deutsch-australischen Beziehungen sind nie enger gewesen, als jetzt, wo ich hier bin. Wußten sie, daß Deutschland und Australien einmal zusammengehörten? Vor Jahrmillion war das EIN Kontinent. Archäologen haben ein Känguruhskelett und eine Brille aus Stein im Harz gefunden. Das beweist, daß hier seinerzeit eine australische Frau gelebt haben muß. Wunderbar, nicht?

Dirk: Wer waren Ihre ersten Beutelratten?

D.E.: Naja, das ist keine gute Frage, aber es ist eine. Die erste Beutelratte war Alfred Biolek, weil er einfach so aussieht. Ich besuche ihn manchmal und er kocht für mich. Der nächste war Roger Willemsen. Er schrieb das Vorwort zu meiner Autobiographie und besuchte mich sogar mit einem Filmteam in Australien.

Dirk: Haben sie Ihre Brautjungfer Madge dabei?

D.E.: Natürlich. Vor einiger Zeit habe ich meine Show in Neuseeland gemacht, wo Madge herkommt. Das Ganze war ein Flop. Die Neuseeländer sprechen einfach zu wenig Englisch- wenn sie überhaupt sprechen.

Dirk: Kein Mitleid mit Madge?

D.E.: Madge heiratete eines Tages einen ziemlich netten Mann. Er verstarb bedauerlicherweise während der Flitterwochen - noch bevor irgend etwas passiert war. Das war in Neuseeland. Wissen sie, da gibt es viel Vulkanismus. Als er ein Foto von Madge, machen wollte, fiel er rückwärts in einen kochenden Sumpf. Ich habe nur noch seine Uhr gefunden, die aussah, wie eine von Salvador Dali. Seither hat Madge NIE WIEDER ein Wort gesprochen. Eine schreckliche Geschichte - die man nur mit der dazugehörigen Portion Schadenfreude genießen kann.

Dirk: Was denken Sie über Männer, die Frauenkleider tragen, wie etwa Papst Paul II.?

D.E.: Solche Leute machen mich traurig. Viele kommen aus gestörten Familien. Ich mache mir wirklich Sorgen um ihre Eltern.

Dirk: Und Ihre Fans?

D.E.: Im Publikum sitzen Modedesignerinnen, die heimlich meine Kleider abzeichnen und für Düsseldorfer Modehäuser kopieren.

Dirk: Wie viele Brillen haben Sie?

D.E.: Etwa 1000 - passend zu jedem Kleid. Manche habe ich sogar selbst entworfen. Ich hoffe, ich kann sie in Deutschland vermarkten.

Dirk: Denken Sie oft an Norm, ihren verstorbenen Mann?

D.E.: Obwohl er tot ist, dient er der Wissenschaft. Er hat alle seine Organe gespendet und damit beispielsweise der Prostata-Forschung SEHR geholfen. Die Prostata meines Mannes befindet sich jetzt in Tokio. In einem Gefäß, wo Studenten sie angucken. Das Ding funktioniert immer noch!

Dirk: Haben Sie nie daran gedacht wieder zu heiraten?

D.E.: Nein - soll das eine Einladung sein? Ich habe eine Menge anderer Männer gesehen: Bill Gates, Henry Kissinger, sogar Prinz Charles. Wissen Sie, in Australien gelte ich als Sex-Symbol, so wie hier Claudia Schiffer, auch wenn ich keine klassische Schönheit bin. Aber ich habe das gewisse je-ne-sais-quoi.

Dirk: Ist Ihre Haarfarbe echt?

D.E.: Oh ja, das haben nur ganz wenige Frauen. Sogar meine Tochter hat lilafarbenes Naturhaar. Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr. Sie lebt hier in Düsseldorf-Bilk mit einer Tennisspielerin namens Rita zusammen. Sie ist offensichtlich emotional ein wenig durcheinander...

Dirk: Verraten Sie uns etwas über ihr Programm.

D.E.: Ich singe ein bißchen, unterhalte mich mit den Leuten, tanze. Sogar Madge ist dabei. Die Ärzte wollten es so. Ich mache die Leute so fröhlich, daß sie schockiert sind, wenn sie nach der Show wieder in die normale Welt hinaus müssen. Madge ist dazu da, die Leute rechtzeitig zu deprimieren - damit sie nicht verrückt werden. Auf dem Höhepunkt der Publikumsbegeisterung erscheint Madge auf der Bühne und erinnert sie an das harte Leben, daß draußen auf sie wartet.

Dirk: Laufen Ihre Shows noch im Fernseher

D.E.: Nein, ich mache 1997 neue. Die Shows, die mich in Deutschland populär gemacht haben, sind ja schon ziemlich alt. Ich würde gerne in Deutschland welche machen, sogar Werbespots - solange man bereit ist, eine enorm hohe Summe dafür zu bezahlen.

Dirk: Brauchen Sie etwa Geld?

D.E.: Ich bin eine reiche Frau. Freundinnen fragen mich oft: Warum machst du diese ganze Arbeit, Shows in Deutschland, singen, tanzen, wenn Du keinen Pfennig brauchst? Dann sage ich: Mutter Natur hat mir Talent gegeben und ich teile es mit meinem Publikum.

Dirk: Wer hat Ihnen den Titel ,,Dame" (etwa: Herzogin) verliehen?

D.E.: Den habe ich von Queen Elisabeth für meine Verdienste um die australische Kultur bekommen. Wissen sie, warum ich zehn Minuten verspätet hier erschienen bin? Die Queen war am Telefon. Sie hatte wieder mal meine Nummer rausgekriegt. Sie ruft mich ständig an, manchmal sogar mit verstellter Stimme. Sie hat sich schon als Hannelore Kohl, Marika Rökk und Evelyn Künneke ausgegeben. Aber ich weiß immer, daß sie es ist, weil im Hintergrund Hunde bellen.

Dirk: Würden Sie sie als Ihre Freundin bezeichnen?

D.E.: Die Ringe, die ich trage, gehören ihr. Elisabeth hat mir einen ganzen Haufen Juwelen zum aufpassen anvertraut. Sie wollte die Dinger nicht im Palast rumliegen haben wenn Fergie und Diana da sind. Bei denen verschwindet alles gleich in der Handtasche.

Dirk: Gibt es jemanden, dem Sie hier in Düsseldorf auf keinen Fall begegnen möchten'

D.E.: Nein, ich habe nur Freunde die ich kenne, und solche, die ich noch nicht getroffen habe.
 
Dirk Ruder, SCHLIPS